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-43- Und plötzlich ist alles so grauenvoll still

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Beständigkeit. Weniger Streit, erträglichere Launen und Stille, wenn ich sie brauche, Chaos, wenn es mich begeistern kann. Alles ist furchtbar durcheinander und ich bekomme mein Leben nicht sortiert. Immer wieder rutschen mir die Erinnerungen aus den Händen, werden von meinen Tränen überschwemmt und kleben vergilbt an brüchigen Wänden. Wie ausrangierte Fotos, ewige Beobachter, die irgendwann vergehen. Entweder sie gehen verloren zwischen Schmutzwäsche und ausgerissenen Haaren, oder werden von den nächsten, unachtsamen Händen zerknittert und fortgeworfen. Manchmal sind es auch meine eigenen Finger, die zerreißen, wegsperren und fortstoßen. Wenn mein Herz nicht länger annehmen will, keine fremden Emotionen mehr verträgt und sich Luft machen will.
Oft tun die Brüche weh, doch ein Schnitt ist besser, als es im Sand verlaufen zu lassen. Gewissheit wiegt mehr, als Unsicherheit. Stellt mich vor vollendete Tatsachen, verschont mich nicht, denn im Koma kann ich nicht heilen. Lebendig oder tot, endlich keine Graustufen mehr. Entweder hassen oder lieben, nicht mehr fast-Liebe, keine vielleicht-Freundschaft, bitte nie wieder na-ja-Beziehungen, ich bin so müde, so müde von all dem Drama, das ich sonst immer so geliebt habe. Es ist manchmal sogar so schlimm, dass mir die Worte ausgehen. Ich suche nach ihnen, doch meine Fänge streifen nur Dunkel und Leere und mein Kopf scheint vor all den Gedanken, Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen anzuschwillen und nur darauf zu warten, platzen zu können. Was wäre es für eine Erleichterung, all meine Gehirnmasse auf dem Boden verteilt zu sehen, bis ich lachend sterbe und vergehe. Vielleicht wäre ich dann einen Moment lang glücklich. Selbstverschuldetes Glück und niemand könnte mich mehr herunterziehen, außer mir selbst. Wenn alles in meinen Händen liegen würde und ich nicht die Menschen um mich herum zum Glücklichsein bräuchte. Was wäre das Leben einfach, simpel, ohne große Überlegungen. Wenn ich immer wüsste, was ich will.
Hab heute die Wäsche aufgehängt, mit brennenden Schläfen und kleinen Tränen in den Augen. Hab sie abends wieder abgenommen, als der Abend Küsse an Kinder verteilte ... und ich stand im Garten, der Atem war schwer und fremde Gefühle jagten durch meine Brust. In solch einem Moment will man nicht mehr fühlen, doch andererseits machen die Emotionen süchtig, zapfen meine Herzen an. Wenn es plötzlich alles so grauenvoll still ist, die Luft steht und nichts bewegt sich vor deinen Augen. Als könntest du auf dich selbst hinabsehen und endlich sagen: so soll es bitte bleiben. In Frischhaltefolie packen und zum Mitnehmen, bitte. Eine Bestellung an das Leben, ein Gruß an die Leben brechende Welt.

About Julia Mayer

Julia Mayer
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8 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. Ich glaube, du wirst erwachsen.
    Leid und Schmerz sind ein gutes Zeichen für einen Neuanfang. Was immer das heißen mag.

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  2. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt erwachsen werden will, Aiden Corey. Neuanfang hingegen klingt nicht ganz so ... hm, ernst. Ich will nur nicht mein Leben auf diesen Emotionen aufbauen, aber weiterfühlen will ich trotzdem. Scheiße, es ist einfach zu verwirrend.

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  3. Ich wollte auch nicht erwachsen werden. Aber wir kommen nicht drum herum. Das Leben zwingt uns dazu.
    Das Leben wird sich immer auf Emotionen aufbauen. Denn unser Leben zeichnet sich durch Beziehungen aus. Und Beziehungen definieren sich durch Emotionen. Wir kommen da nicht dran vorbei.
    Uns bleibt nix anderes übrig, als das Beste aus dem zu machen, was vor uns liegt mit den Erfahrungen aus dem, was hinter uns liegt.

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  4. ich finde dieses foto wirklch toll.
    und ja ich kann verstehen was du meinst...
    xx

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  5. Aiden Corey: Ja, stimmt. Da hast du wohl leider Recht. Ich werd schon irgendwann damit klar kommen, bestimmt.

    fairandbeautiful: Das Bild mochte ich auch, deswegen hab ich es auch als Überschriftsbild gewählt.
    Danke.

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  6. angst vor dem erwachsenwerden ist mir nur zu gut bekannt.
    du schreibst fantasitisch und ich kann mich toll mit deinen texten identifizieren, weiter so! xx

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  7. ich glaube, dass ich bis eben nicht realisiert habe, wie unglaublich gute und schöne sachen du schreibst.. ehrlich, ich bin fasziniert und begeistert und berührt zu gleicher maßen.

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  8. ich hab den text grade nochmal gelesen und es ist fantastisch. und ich sitze hier und weine.

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