26.05.11

-13- Heimat.

Manchmal habe ich das Gefühl, es allein nicht mehr zu schaffen. Weil da niemand ist, der sich zu mir legt, mir eine gute Nacht wünscht oder mit einem noch bis in die Nacht hinein flüsternd Geheimnisse austauscht, nur um schließlich, ohne es zu merken, einzuschlafen. Weil dort niemand ist, der mit mir in den weißen Schnee starrt, bis die Augen tränen und sich das Lachen locker wie von verkrampften Knochen löst. Jetzt wirkt mein Lachen hohl, wenn ich mal lachen muss, kommt es mir vor, als wäre es nicht vollständig. Nur ein halber Laut. Und so lache ich nicht lang, einfach nur weil du mir fehlst. Die Schokolade schmeckt nicht mehr, weil ich mich nicht länger mit dir darum schlagen muss wie unechte Konkurrentinnen. Sie gehört jetzt mir allein, und allein schmeckt sie bitter, gar nicht mehr gut und süß wie nach einem errungenen Triumph. Manchmal habe ich das Gefühl, es allein nicht mehr auf die Reihe zu bekommen, denn alles ist mir fremd. Ich bin nicht zu diesem Konzert gefahren, zu dem wir sonst immer gemeinsam gehen. Das erste Mal war ich nicht mit dabei, denn allein in den kalten Bänken zu sitzen und dich zu vermissen, hätte das Zurückkehren von Heimat zum fremden Ort nur noch schwerer gemacht.
Ich rufe nicht einmal mehr zuhause an, kann nicht sagen, was mich zum Schweigen bringen will. Vielleicht ist es ja tatsächlich nur die Angst, dich zu vergessen. Doch wie könnte ich, das wäre ja wie zu vergessen, zwei Beine zu haben. Noch ist es taub, eingeschlafen, oft komatös, der Schmerz, doch wenn ich es bemerke, spüre ich ihn wieder und kann dem prickelnd brennenden Gefühl nicht entkommen. Du bist wie ein eingeschlafener Fuß, ich mag das Gefühl, dich zu missen, und gleichzeitig will ich es los werden, möchte es nicht länger spüren. Ich wünsche mir die alten Zeiten zurück, so wie man sich wünscht, nocheinmal von vorn anfangen zu können, dann würde man alles anders machen. Weniger herumhuren, mehr die schönen Dinge des Lebens beachten und überhaupt, beliebter, schöner und klüger sein. Wir würden ‘was tun, da bin ich mir sicher.
Und manchmal weiß ich zwischen den Tagen, wenn die Nächte ans Fenster klopfen, noch immer nicht, wie ich das allein schaffen soll. Zwischen tausenden Gesichtern gehe ich unter, ich will das auch so, kann nicht darüber reden, bin hilflos ausgeliefert, mir selbst der Feind. Und ich suhle mich in meinem Leid, denn das ist ja alles was ich noch von dir zu haben scheine, das auch wirklich mir allein gehört – das Vermissen, das Wir zurückwünschen.

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