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-24- Herzraub

Schlaflos starre ich auf das leuchtende Zifferblatt meiner Uhr. Du bist nicht hier.
Ich habe mich schon fast daran gewöhnt, ich denke, ich kann es akzeptieren. Ich hoffe, dass ich es kann. Manchmal weiß ich nicht mehr, wohin mit mir selbst. Alles tut weh, dort wo sonst gute Gefühle waren – dort ist jetzt alles taub.
Von Kopf bis Fuß Lähmung. Gedankenkoma.
»Es ist vorbei«, hast du gesagt und mich angesehen, als würdest zum letzten Mal in meine Augen blicken. Ich hatte nicht geweint, nicht vor dir, ich hatte es schließlich nicht erwartet. Wie hattest du denn denken können, dass ich es erwarte? Ich dachte, dass alles in Ordnung wäre. Mit dir und mir.
Ich dachte, wir hätten alles gehabt, wonach sich andere sehnten.
Hast du denn vergessen, wer wir sind?
Schlaflos sitze ich hier. Du bist nicht hier.
Ich verliere mich in Gedanken, nur der Schlaf bleibt aus, kein Traum wagt sich mehr in meinen Kopf. Zermürbt hast du mich, mit all deinen Taten, und ich habe es ertragen. Die Warterei. Der Betrug. Ich hatte es ertragen und akzeptiert – ich dachte, das würde zu dir gehören, ein Schimmer deiner facettenreichen Haut. Ich denke noch immer, dass wir es hätten schaffen können.
Es ist nicht meine Schuld, ich habe alles getan, alles was ich tun konnte. Zu mehr bin ich auch jetzt noch nicht in der Lage, verstehst du das denn nicht?
Hast du denn vergessen, wer ich bin?
Schlaflos höre ich der Stille zu. Du bist nicht hier.
Es ist mir egal, ich spüre nichts. Da bin nur ich, ich allein, gefangen in dem, was du von mir übrig gelassen hast. Ich weiß nicht einmal, ob ich mich jemals wieder aufraffen kann.
Wozu denn noch – mein Leben ist fast vorbei, da kommt doch nichts mehr.
Schon lange in Rente, schon länger allein, und nichts kann es besser machen. Nichts kommt mehr vor dem Ende. Da ist nur noch Stille.
Du warst einmal mein Zuhause, jetzt bin da nur noch ich, eine halb abgetrocknete Schüssel in der Hand. Ich warte. Auf dich, dabei weiß ich, du kommst nicht zurück.
Und das, was du mir geraubt hast, weiß es auch.
Hast du denn vergessen, wo mein Herz ist?

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Julia Mayer
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