26.05.11

-09- If it’s true you can see it with your eyes

Es knirscht unter den Füßen, die Kälte jagt über Körper, unter dicke Jacken und Mützen, die aussehen wie alte Helme oder labbrige Stofffetzen. Es knirscht, doch all das ist es Wert. Willkommensgrüße an der Tür, Überraschungen, eine halb aufgeräumte Wohnung, Schnee auf dem Fußabtreter, Jacken über dem Geländer, der Schlüssel wartend im Schloss. Umarmungen, Lachen, kleine Witze am Rande, dann wird ausgepackt. Ein zweiter Laptop auf dem Tisch, ein Stuhl aus der Küche, die Treppe rauf und runter, hin und her, immer da, immer in Bewegung. Ein Schlafsack im Bett, ein zweites Kissen, das Kuscheltuch auf dem Laken. Es wird Platz gemacht, überlegt, geplant, geredet …
Der Bahnhof ist nicht weit, aus dem Bus steigt der nächste Gast, kleine Neckereien im Supermarkt, das Nötigste auf schwarzem Laufband, knisternde Geldscheine in warmen Händen. Handschuhe an und zurück, Gepäck auf dem Rücken, Last in den Händen, der Schnee knirscht. Doch all das ist es Wert. Neue Orte für Dinge der angestammten Plätze, Gitarre vom Bett, Stativ in die Ecke, vorsicht, die Kamera, ja, genau die. Ein Löffel zwischen zwei Büchern herausfischen, zu dritt das Internet neu entdecken, ihr wisst, das ist kein Arm, jetzt weißt du es auch.
Die Klause nebenan, kalter Orangensaft und knusprige Chickenwings, Ofenkartoffel und wärmende Gespräche, das Telefon ignorieren, lachen, immer wieder. In der Wohnung reißen Witze nicht ab, Kopfschmerz bleibt, es ist ein auf und ab, nicht immer ist alles gut, aber das Meiste schon. Man ist nicht allein, wünscht sich in der einen Minute Ruhe, in der anderen ist man heilfroh über Gesellschaft, nie allein, das ist gut so. Denke ich. Die Nacht ein Horror, das Übel groß, die Nacht kurz und am Morgen geht es besser. Kein Rennen zur Toilette, keine verschlossene Badtür, kein kaltes Wasser in der Dusche. Alles wie immer. Essen und putzen, hier und dort sein, überall seine Finger im Spiel haben, das Laken wirft Falten, die Kissen liegen kreuz und quer, in der Nacht allein gelassen, die Treppe als Weg, als Verbindung zwischen oben und unten, hier und dort.
Der Schnee knirscht, der Zug fährt ab, zwei Seelen bleiben zurück, du und ich. Den Abend Revue passieren lassen, im Supermarkt weiterlachen und sich zwischen Mehl und Zucker koordinieren. Auf halbem Weg bemerken, dass man Eier vergessen hat.
Zurück und dann heim, entspannen, Pause machen, die Türen nicht mehr öffnen, sie zu lassen, Kälte durch die Fenster, vertreibt sie konsequent die Wärme und stickige Luft. Stimmungstief im Anflug, oft gelacht, viel geredet, auch mal geschwiegen. Nicht immer sind Worte von Nöten, nicht immer brauchen wir das. Fühlten uns beobachtet, warum wohl, im Herd die ersten Kekse, es riecht nach Weihnachten und Bäcker, Wärme im Gesicht und Mehl an den Händen. Tausendmal abgewaschen, Eier getrennt und Zucker abgeschätzt. Hier und dort genascht, Schokostreusel auf dem Tisch verteilt, Marmelade in Keksmulden geschoben. Erschöpftes Aufräumen, müde Glieder und der Fernseher wie eine Einladung als Hintergrundmusik. Die Laken weich und der Schlaf schon nah.
Aufwachen und wissen, dass der Tag schon mittendrin ist. Kein gemütlicher Morgen, hier Hektik, dort Aufbruchsstimmung. Dich zum Bahnhof bringen, Umarmungen und Lachen, doch der Rückweg ist nicht lang, ich denke noch an das Wochenende. Gäste, die nur ein paar Krümel auf dem Teppich zurücklassen, und Erinnerungen mit der Kamera festgehalten und tief im Kopf verankert. Oft noch werd ich dran denken, auch wenn ich die Kekse zuende verziere und ein paar von ihnen esse. Schön, so ein Wochenende zu dritt, zu zweit, dann allein. Schön wars, und gerne wieder.

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