10.09.11

-154- Es zieht mich von Nord nach Süd (III)

Ich konnte nicht mehr denken, der Rauch stieg mir zu Kopf. Brachte Bilder zum Vorschein, die ich lieber begraben wollte. Einfach die Fingerspitzen von falschen Erinnerungen reißen und mir nicht länger die Füße wund laufen. Ich wünschte mir, nicht so blind gewesen zu sein. Ich hätte die Zeichen deuten müssen. Doch stattdessen sehnte ich mich mit Haut und Haar zurück; sehnte dich an meine Seite, damit du die Gedanken aus meinem Kopf löschen könntest.

Erinnerte mich zurück an diesen einen Tag. Hatte dich ein paar Mal getroffen, sah dich in der Schule, dachte an deinen aufrechten Gang, dein kleines Lächeln, die Art, wie du stumm deine Zigaretten rauchtest. Und lebtest. Es war nicht weit vom "Schön dich zu sehen" zum "Ich mag dich." Obwohl du fragtest: "Warum?" habe ich mich nicht irritieren lassen. "Und, hattest du vor mir einen Freund?", fragtest du irgendwann. Und ich lächelte und schwieg, wusste nicht, wie ich mit dir darüber reden sollte. Nippte an meinem Bier, machte einen auf mysteriös. "Sorry", hast du genuschelt. "Soll ich aufhören zu fragen?"
"Nein. Ich ..." Stammeln, meine Wangen färbten sich Rot, wieder so eine peinliche, unlenkbare Sache. "Hab bloß keine Antworten."
"Soll ich gehen?"
"Aber ich will dich doch", brachte ich grob hervor und zuckte mit den Schultern. "Du bist es."
"Oh, hm ..." Ich sah an deiner Nasenspitze, dass ich es übereilte. So weit waren wir nicht; tranken nur Bier, ich hatte bloß mal wieder zu viele Gedanken verschwendet, ich dachte, du wüsstest schon, dass ich dich wollte und nur noch um dich buhlte. "So gut kennen wir uns doch noch gar nicht", hast du gemurmelt und bist meinem Blick ausgewichen.
"Ist das wichtig?" Ich hatte das Gefühl, in diesem Augenblick nackt vor dir zu stehen, hatte dich mit fixiert und war gleichzeitig kurz davor gewesen, hier vor dir zu weinen. Oder dich sitzen zu lassen. Oder dich anzuschreien. Alles auf einmal. "Ich bin ... nicht so wie die anderen", sagte ich resolut und nahm einen tiefen Schluck von meinem Bier, es prickelte auf meinen Lippen, ich wollte Taubheit spüren und biss mir auf die Lippen. "Ich hab keine Angst."
"Wie jetzt?", fragtest du und deine Kippe glühte, als du an ihr zogst und sie schon fast bis zum Filter abgeraucht hattest.
"Ich habe keine Angst eben. Ich stürz mich einfach rein, in all das hier. Gefühlsdinger und diesen ... absoluten Scheiß. Keine ... halben Sachen."
Du sahst mich lange an, als würdest du versuchen, meine Worte zu verstehen. Und dann, als ich schon dachte, du hättest kein Wort mehr zu sagen, und meine Lider schwerer wurden, ich mir wünschte, meine Worte zurücknehmen zu können ... nicktest du.
"Keine halben Sachen", hast du rau gemurmelt. "Das gefällt mir."

Doch das alles war nun vorbei. Ich saß hier und kiffte, um nicht fühlen zu müssen, schwieg, um nicht beim Reden in Tränen auszubrechen. Und ich wünschte, die Nacht wäre endlich vorüber, noch bevor sie richtig angefangen hatte.

Kommentare:

  1. Das ist ganz wundervoll geschrieben. Wenn es ein Ausschnitt aus einem Buch wäre, würde ich ernsthaft überlegen es durch zulesen und du solltest wissen ich hab noch ungefähr 5 angefangene Bücher, die ich doch nicht zuende bringen werde.

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  2. Ja, das war mit ja bewusst, dass es das nicht ist..

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