08.10.11

-199- Ich liebte dich am 08. Oktober


Seit Stunden keinen klaren Gedanken mehr gefasst. In einer Pause von dröhnender Musik und Beats, die sich im Schlag meines Herzens einnisten, brennt die Zigarette zwischen meinen Fingern. Bis zum Filter, dann unter den Stiefel begraben; sanfter Regen erforscht mein Gesicht. Ich weiß nicht, wohin. Mit der Frustration, die sich zwischen meinen Rippen ein gemütliches Heim baut. Ich kann nicht umgehen mit all dem, mit der Leere, mit den abwechselnden Glücks- und Peingefühlen. Als würde gleich mein Emotionsbarometer durchdrehen und auf WAHNSINN deuten. Pure Geisteslosigkeit.
Ich habe nicht die Kraft, mich im Internet zu beschäftigen. Alles läuft auf stumpfe Gedankenlosigkeit hinaus, Tage voller Fragen; ich schiebe auf und lasse los; gleichzeitig sehne ich mich nach Juli und Cash, nach meinen liebsten Charakteren, denen ich sonst so Leben eingehaucht habe. Oder Emily und Richard und Oscar, um die ich andauernd weine, so sehr misse ich ihre Stimmen. Wo sind die Worte hin?
Scheinen mit dir fortgerannt zu sein; sind plötzlich scheu wie dein Blick und springen zurück. Es reicht für pathetische Blogtexte, es reicht für Gefühle, doch die Worte ... sie meiden meine Fingerkuppen. Alles schwindet und ich hasse es. Hasse es, was ich mir einfach so rauben lasse, von etwas, in das ich mich selbst hereingesteigert habe. Bewundere mal wieder meine offene Dummheit, meine Freizügigkeit, meine Dreistigkeit, das Herz einfach so gehen zu lassen. Und mit ihm alles, was mir irgendwie auch nur unter die Haut geht. Was bin ich schon ohne das Schreiben?
Normal. Unbeständig. Haltlos.
Und ich verachte doch den Blick in den Spiegel, trotzdem scheint meine Eitelkeit mich zu Verhasstem anzutreiben. Der Schnaps lässt alles verschwimmen. Rotlicht. Meine Lippen wirken so blass, als hätte ich ewig nicht mehr geatmet. "Zieh den Bauch ein", sag ich direkt in meine Augen und kräusle die Nase. Sie juckt wieder andauernd, ich kann nie aufhören mit ihr herumzuwackeln. Wieder diese nervösen Ticks; ich spüre, das mir all das nicht mehr lange gut tun wird. Und ein schmieriger Fleck auf dem verspiegelten Glas scheint mein linkes Auge zu rauben. Ich lege meine Hand darüber, bin nur noch ein halbes Gesicht und denke:
Das bist du. So fühlst du dich. Nur zur Hälfte da. Bin das eigentlich noch ich?

Kommentare:

  1. Die Art wie du schreibst, .. atemberaubend. Mir fehlen wirklich die Worte. Ich bin so fasziniert. Das ist so unfassbar gut. Und so unfassbar traurig. Das nimmt mich wirklich mit, nur vom lesen. Wahnsinn!

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  2. Oh ja, die Frage, ob ich es wirklich noch ich selbst bin, stelle ich mir auch des öfteren. Ich denke, das ist ok. Jeder zweifelt mal ans ich selbst. Doch du musst einfach aufstehen, dich zeigen und sagen: Hier bin ich. Das bin ich. Werde dir über alles kar. Ordne deine Gedanken. Lebe.

    Alles Liebe für dich :) JO

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  3. wow. wahnsinnig schön, wie du mit den worten spielen kannst. talent!

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  4. Das mit dem Spiegel kenne ich. Wenn man ein Monster, etwas Fremdes sieht und sich fragt, ob die Psyche überhaupt noch zu retten ist...

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  5. mein grund: der bayerische wald, der morgendliche nebel und die aufsteigenden wolkenschwaden aus dem tal wurden täglich durch sonnenschein und verführerische temperaturen ersetzt, so wunderschön!

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