21.10.11

-217- Ich liebte dich am 21. Oktober

 

In der Stille habe ich ein letztes Mal das Gefühl, innerlich nicht glücklich werden zu können. Ich will es laut, obwohl Blitze unter meinen Lidern einander jagen. Feuer. Es tut weh und ich weiß schon gar nicht mehr, wieso ich dieses Gefühl einst abgöttisch geliebt habe.
Der Bus schlängelte sich an den sanften Linien der Straße entlang. Meine Augen folgten hilflos, als könnte ich nicht eine Sekunde unwissend überstehen. Der Zauber der Sekunde verlor sich oft genug, doch ich konnte sicher sein, dass er irgendwie wieder kam. Wie heute, als die klare Herbstluft so permanent meine Lungen zerschnitt. Liebte schon immer die Klarheit. Den Schmerz, der mein Blut gefrieren lässt, wenn kalter Wind so sehr an mir zerrt. Atemdiebstahl; für ein paar Sekunden körperlos. Die Lider flatterten. Auch heute. Immerimmerimmer. Und im Bus starrte ich auf feuerrotes Haar, das sanft fiel, dazu ein türkiser Schulmädchenrucksack, der nicht ins Bild passen wollte. Und Katzenaugen, unterstrichen von festschwarzem Kajal; blutrote Lippen bei pervers billiger Dauerwelle. Ich dachte, dass sie sich erniedrigt fühlön musste, weil ich sie so anstarrte. Ich würde mich so fühlen. Und mein Starren tat mir augenblick leid.

Dann mit schweren Schritten vorangeschritten, nochmal im Kopf durchgegangen, ob ich auch Schlüssel und Geld dabei hatte. Einen Weg suchend schlängelte ich mich, mit Augen fest am Boden, durch Menschenansammlungen. Versuchte, mich nicht beobachtet zu fühlen, doch alle wissen doch, dass ich nicht gut darin bin. Paranoia bringt mich immer zum Staucheln, zum Trinken, zum Wegwünschen. Versuchte, mich zwischen frischen Tomaten, Dinkelbrötchen und Mozzarella selbst zu finden. Hatte kaum Kraft, die Karte hervorzuziehen, an der Kasse wurden alle ungeduldig. Und ich dachte nur daran, dass ich versagte. Jede Sekunde hatte ich dieses Gefühl, es nistete sich zwischen meinen Fingern ein, brachte meine Mundwinkel zum Ziepen.

Kehrte an den Ort zurück, an dem alles wie immer ist. Und die fehlende Veränderung tötete jegliche Hoffnung, jede neue Erkenntnis schwand. Vodka in den Händen, und dann ein schwacher Moment, ich beende einen Streit. Doch was wird der Morgen bringen? Mehr, als nur bohrende Schuldgefühle? Wie ich mit dem Alkohol meinen Stolz aufgab. Was wird das wohl in Stunden für mich heißen? Ich kann doch die Sekunden nicht anhalten. Und oft genug denke ich: Fick die Leute. Wen interessiert's, was andere denken?

Kommentare:

  1. Manchmal da ist die Welt so grau, dass man sich im Rausch des Universums verstecken muss. Schaeme dich nicht dafuer, denn du bist nicht allein. Die meisten sind nur nicht start genug es zuzugeben.
    Alle Kraft der Welt, dass du auch bald ohne diesen Rausch Farbe erkennst. ♥ Kopf hoch.

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  2. Ich finde das auch schrecklich. Und dieses Denken mache ich bestimmt nicht extra oder so. Ich will nicht so denken und ich will ja auch glücklich sein! Aber ich bin es nicht und vielleicht hängt das ja auch alles zusammen.. Ich weiß es nicht.

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