18.11.11

-252- Ich liebte dich am 18. November


Sie haben Mützen, die knapp über ihrer Stirn beginnen, halbe Ohren bedecken, Ohrläppchen und Schläfen frei lassen, am Hinterkopf weiter werden. Am Hosenbund blitzen Shorts hervor, meist kariert, in gedeckten oder ruhigen Farben. Flache Schuhe, während sich Mädchen neben ihnen in Wedges abmühen. Sie halten Bücher in flachen Händen, murmeln, lernen, blättern um und treten von einem Bein auf das andere. Unruhig zittern des einen Knie, er macht zuckende Bewegungen, als würde er gleich fürchten, vor Kälte zu erstarren. Keine Jacken, dafür Kapuzenpullis, oder ein Hemd mit Bomberjackenweste. Ich weiß den Namen nicht, auch nicht, als ich mich anstrenge. Blicke gleiten weiter - zurück zu kariertem Papier, auf das ich am Vortag meine Portraits gekritzelt habe, über die einige die Stirn runzeln.
"Kannst du mir einen Kuli leihen? Hallo?" Banknachbarin ignoriert mich, erst beim dritten Mal kommt eine Antwort zurück, entnervt, ich zucke zurück.
"Das hast du doch schonmal gefragt?!"
"Ja, aber du hast nicht geantwortet! Da dachte ich, ich frag lieber nochmal?"
"Ja." Sie wühlt seufzend in ihrem Mäppchen, reicht mir einen Stift rüber. "Hier. Aber zum Schreiben, nicht für deine Kritzeleien."
Ach, leck mich doch denken. Nichts sagen. Nichts sagen. Nichts sagen.

Kommentare:

  1. :D Manche Menschen sind wirklich komisch. Sehr gut beschrieben. Behalte einfach deinen Humor! ;)

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  2. "Nichts sagen." - Weiterleben, darüber stehen und am Ende gewinnen. Vielleicht nicht immer einfach, aber doch der ruhigste, beste und erfolgversprechendste Weg.

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  3. Uah, wie ich solche Menschen hasse, die gleich genervt reagieren und nicht mal ein bisschen nett sein können.

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  4. Das ist doch aber auch gut. Manchmal schäm ich mich für mein Fernweh, weil das den Eindruck macht, als wäre ich mit meinem zu Hause unzufrieden, was irgendwie auch nicht stimmt :/
    Ich glaub, solche Leute halten sich immer für was besseres :/ Ich versteh auch nicht den Sinn darin, unhöflich zu sein. Ich meine - man selbst wird dadurch nicht glücklicher und andere auch nicht. Und ein paar nette Worten und Gesten sind ja auch nicht zu anstrengend oder so.
    Danke für die Empfehlungen :) "Abbitte" ist von Ian McEwan und wurde mir irgendwie schon von so vielen empfohlen, dass ich es vor dem Film lesen wollte.

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  5. Eigentlich. Ich weiß es nicht. Aber ich finde schon, dass es eine Art ist, zu zeigen, dass man dem anderen wichtig ist. Immerhin ist er mir hinterher gerannt. Oder gelaufen. Wie auch immer. Und das, obwohl er ja meinte, er würde es nie machen. Er hat es gemacht. Und darauf kommt's an. Ja, das mit den dummen Kommentaren ist so 'ne Sache. Aber das macht er ja nicht ständig, und wenn, dann auch nur aus Spaß. So wie da auch. Und ich bin eigentlich auch eher 'aus Spaß' weggelaufen. Ich weiß nicht, ob er dachte, dass ich ernsthaft sauer gewesen wäre. Aber ich war es nicht. Ja, wenn ich weiter spinne, würde ich sogar sagen, dass ich es gemacht habe, um zu schauen, ob es ihn wirklich kalt lässt.
    Oh Gott, ist das kompliziert. Leben heißt verstehen, und irgendwie verstehe ich zur Zeit gar nichts. :'o

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