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-328- Von jenen Zeiten


In den stummen Augen unserer Leben gibt es einige Wahrheiten, die sich durch das ganze Farbspektrum ziehen. Da ist nicht nur helles Ocker, tiefes Violett und ein Misch aus Meerblau und Moosgrün, sondern auch rußiges Grau, heimliches Braun und ... Gewitterwolkenschwarz. Wir sind aus Erinnerungen zusammengezimmert, halten in unserem Gefüge tausend Gesichter gefangen. Wir mögen uns bei manchen nach einem Wiedersehen sehnen, bei anderen fürchten wir eben dies. Es ist leicht, die Gesichter zu vergessen und sich dem Leben zuzuwenden, obwohl da in der eigenen Brust noch immer der leise Hauch einer längst vergangenen Wahrheit schlummert und von innen gegen die Knochen pocht. Ich dachte, ich müsse meine Erinnerungen verdrängen und sie in ein künstliches Koma versetzen, dabei habe ich auch mich selbst auf Eis gelegt. Dann wachst du eines Morgens auf, mit Füßen warm von der Sonne, die ihre Strahlen über deine Zehen wandern lässt - und du denkst zurück und eigentlich kommt dir das, was du zu vergraben versucht hast, gar nicht mehr so schlimm vor. Alles erscheint dir heute weicher; alles einfacher. Und mit erschreckender Geschwindigkeit stellst du fest, dass du dir alte Fehler verziehen hast. Dass dort ein neuer Schimmer einer noch fremden Gedankenwelt aufgetaucht ist, nach der du nur zu greifen brauchst. Auf dass die roten Ränder unter unseren Augen, von jahrelangem Schlafmangel und unaufhörlicher Schuldzuweisung zu rot werdenden Wangen mutieren. Auf dass sich die Lippen nicht mehr in Wahnsinn verziehen, sondern im Lächeln, sanftmütig und furchtlos. Mindestens einen guten Tag nach dreißig Schlechten darf es geben.

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Julia Mayer
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