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-336- Sinn und Unsinn


Es ist immer einfacher, sich selbst das Denken zu verbieten. Es ist leichter, die Kopfhörer aufzusetzen und die Menschen zu beobachten, ohne zu wissen, was sie wirklich sagen. Ihre Münder reden, doch kein Wort hat einen Effekt auf mich. Es ist wohltuend still, nur die auf- und abschwellende Musik von This Will Destroy You öffnet mir die Venen und ermöglicht mir die unerkannte Atemnot. In diesem Augenblick ist es egal, wie gelblich mein Haar im Licht wirkt, es zählen keine geweiteten Poren und auch der verschmierte Mascara hat keinerlei Bedeutung. Sie sehen mich aus den verschmierten Fenstern an wie trübe Fische, die meine Anwesenheit nicht einzuordnen wissen - und am Rande denke ich, dass ihre Gedanken auch nur aus meinen Gehirnwindungen kommen und ich sie in andere Gesichter hinein projiziere. Oft genug bin ich der Fehler, der mich selbst zum Versager degradiert - oft genug beschließe ich, mich selbst zu hassen, obwohl ich niemandem erklären kann, wieso. In den Stillen Phrasen meines Lebens habe ich die Welt wie in Graustufen gesehen und jedes Lächeln hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht, weil ich dachte, dass ich meine Lippen nicht würde bewegen können, dass ich in Stein gemeißelt wäre und mein Mund versiegelt; die Augen trotzdem zu schwach, um weg zu sehen. Erst wenn man nicht mehr blinzeln kann, weiß man, wie wichtig es für die Weichheit des Gesichtes ist und wie sehr es andere Menschen brauchen, auch wenn es einem selbst so vor kommt, als wäre es etwas, das man selbst nicht benötigt. Halbieren wir die Sorgen in den Kammern unserer Zellen, könnte es sein, dass andere Funktionen nicht mehr ausgeführt werden. Was, wenn ich sorglos bin und kein Wort mehr über all das Graue fällt - was, wenn ich glücklich bin und plötzlich nicht mehr schreiben kann? Wohin bringt mich der Gedanke, wohin führt mich diese Angst vor dem Glück? "Als Schreiber muss man ja auch irgendwie allein sein", hat sie dann einfach gesagt, "vielleicht muss man sogar leiden, um überhaupt schreiben zu können." Doch wenn die Worte alles sind, das ich erreichen werde, was macht dann denn noch einen Sinn?

About Julia Mayer

Julia Mayer
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6 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. 'vielleicht muss man sogar leiden, um überhaupt schreiben zu können.' ... dachte ich mir auch oft. und oft, wenn ich schreibe, ist es auch so, dass ich in einer leidensphase bin.
    aber man muss es nicht immer. und warum sollte man nur leiden, um schreiben zu können?
    wenn du glücklicher bist ohne das, dann mach dich glücklich.

    lg
    dahi

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    1. Nein, nein, ich bin definitiv unglücklicher, wenn ich nicht schreibe. Es ist bloß so, dass ich besser ... schreiben kann, wenn es mir nicht gut geht. Oder wenn es mir besonders gut geht. Vielleicht ist es das Extreme, das all die Worte möglich macht, ich weiß es nicht. Hoffentlich steig ich nie dahinter, dann habe ich nämlich weniger zum Nachdenken ;)

      lg

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  2. So schön geschrieben!

    Liebe Grüße
    http://keepcalmitscalledfashionbitch.blogspot.de/

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  3. Antworten
    1. Wow, wirklich? Danke! Mensch, ich weiß immer nicht, was ich bei solch netten Kommentaren schreiben soll, gibt es nicht irgendein interessantes Synonym für Danke? Ich drücks mal anders aus:
      Jetzt geht es mir gut, weil dein Kommentar mich warm gemacht hat vor Glück :)

      Hoffe, du hast einen schönen Tag!
      Liebe, liebe Grüße

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