12.06.12

-343- Nichts hält mich


In meinem Kopf sitzt ein Punkt, der am hellichten Tag taub ist und den ich ausblende, als würde er gar nicht wirklich existieren. In der Nacht schleicht er sich in Form von Albträumen und mit Händen so dürr wie Knochen in mein Bewusstsein und stampft durch das Feld meines guten Gefühls wie ein Dieb durch den Gemüsegarten. Nichts bringt mich mehr aus dem Gleichgewicht als dieser eine Punkt. Meine Sicht ist Schwarz und Weiß, Schwarz und Weiß, definiert und dann doch nur ein Gewühl aus Grau in Grau. Manchmal breche ich durch meine eigenen Grenzen und finde mich an Orten wieder, die ich mir selbst nicht erklären kann. Und dann sind es meine eigenen, blutroten Hände, die sich in mein Gedächtnis brennen. NICHTS. NICHTS HÄLT MICH. Es sollte nicht weh tun, das atmen, doch das tut es. Es tut weh, etwas zu wollen, das man nicht haben kann. Es setzt sich mit mit unaufhörlicher Klarheit gegen das Augen-Verschließen durch. Hier gibt es keine Hoffnung mehr, sagt mein Herz, mein Körper ... nur mein Verstand hört noch immer Trommeln, die ihn fort bringen wollen. Ich will ihn nicht verlieren, den einzigen klaren Gedanken, den ich noch in mir zu halten vermag. Und doch rinnt er mir durch die Finger und wird von meinen Träumen verjagt. Wer bin ich schon, dass ich denke, ich könnte schreiben und wissen und berühren und leuchten, leuchten, zerleuchten? Ich bin die Flamme, die stumm flackert und im Nichts ihr wahres Licht verliert. Weil niemand sieht, wie sehr ich es bräuchte, wie sehr ich gerade jetzt die Bestätigung brauche. Ich will nicht länger mit dem Augenwinkel den Erfolg anderer neidvoll betrachten, ich will unter ihnen sein, ich will ihre Worte hören, so nah, dass ich unter dem Klang ein wenig erschrecke. Und ich will nicht länger hier sein, hier an dem Ort, an dem alles mein Herz zum Flimmern brachte, vor Jahren schon, als meine Worte noch von Torheit strotzten. Und jetzt, wo mich alle brechen sehen, können sie doch nicht meine wahre Vene erkennen. Sie sehen nur die Worte oder nur das verkrampfte Lächeln oder das "Alles okay" und ich, ich bin hier nicht mehr. Ich bin schon lang vor euch weggelaufen; ich bin dem Leben entflohen. Finde mich?


Kommentare:

  1. Toller Blog und ich finde deine Art zu schreiben Wahnsinn!
    Du hast nun eine Leserin mehr. Vielleicht hast du ja mal Lust bei mir reinzuschauen. Würde mich freuen! <3
    Bei mir läuft gerade eine Blogvorstellung, vielleicht hast du ja Lust teilzunehmen. Fände ich richtig toll. (:
    Liebste Grüße, Melli. <3

    http://traum-vom-fliegen.blogspot.co.at/

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  2. mann, du weißt gar nicht wie sehr du mir mit diesem Text aus der Seele sprichst.
    Einfach nur toll, traumhaft!

    Liebste Grüße
    deine neue Leserin
    Trang

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