20.06.12

-345- Köpfe wie Kronen


In der Stille gibt es diesen einen Faden, der sich aus unseren Köpfen zieht und voranstrebt und der nicht zurückblickt aber dich doch zurück an einen Ort führen kann, von dem wir hofften, dass er uns nie wieder würde einfangen können. Diese Straße, über die sich der Faden spannt, ist lang. Nicht breit aber kann zäh und schleimig sein, fluffig und rasend, unbeweglich und steinern. Das Meer steht vor unseren Augen still und wir hören kein Rauschen. Da finden Handgelenke an Lippen und Worte an Ohren und ich lasse meine Haut wachsen, anstatt mir Fell zuzulegen. Wir heben unsere Köpfe wie Kronen und umfassen Körper, als könnten wir sie brechen. Stattdessen ist es nur unsere Gedankenwelt, die sich weitet und schrumpft und vervielfacht oder verstirbt. Ich will nicht halten und dann wieder gehen lassen, denn ich bin nicht schnell im Lieben. Ich bin der langsame Mensch, der erst stärker zweifelt und fürchtet und nicht will und dann plötzlich stürzt, als könnte die Stirn mich nicht halten, als könnte ich in dieser einer Person versinken, mich in die Brust kriechen und einnisten und bleiben, bleiben, bleiben. Alt werden wir im Hoffen und geben uns selbst einfach auf, anstatt an das zu glauben, was sich vor Jahren in unsere Haut gestanzt hat: das bin ich hier, ich bin das Wort, das nicht jeden innerlich trifft und doch unmessbare Bedeutung hat. Und ich will hier sein, ich will die Angst nicht länger.

Kommentare:

  1. "Ich will nicht halten und dann wieder gehen lassen, denn ich bin nicht schnell im Lieben. Ich bin der langsame Mensch, der erst stärker zweifelt und fürchtet und nicht will und dann plötzlich stürzt, als könnte die Stirn mich nicht halten, als könnte ich in dieser einer Person versinken, mich in die Brust kriechen und einnisten und bleiben, bleiben, bleiben."

    Ich liebe diese Stelle und beneide sich um deinen Schreibstil und die Tatsache, dass du anscheinend alles, was ich fühle, aber nicht ausdrücken kann, einfach hinschreibst.
    Du abartiges Genie!:D
    Mach weiter so ♥

    Liebste Grüße,
    Trang

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Trang! Wow, danke für deinen wahnsinnig tollen Kommentar :)
      Ach, auf irgendwas neidisch sein brauch da keiner und keine Ahnung, irgendwie schaffe ich es manchmal, es in Worte zu fassen, die meiste Zeit aber auch nicht wirklich.
      Danke!

      Löschen
  2. "Das Meer steht vor unseren Augen still und wir hören kein Rauschen. Da finden Handgelenke an Lippen und Worte an Ohren und ich lasse meine Haut wachsen, anstatt mir Fell zuzulegen."
    Das ist meinte erste Lieblingsstelle, besonders das mit dem Haut statt Fell. Um im Leben immer klar zu kommen, muss man sich ein dickes Fell zulegen. Aber das kann man nicht - ein paar Stellen Haut müssen bleiben, auch wenn man dann immer noch empfindlich ist für Schmerzen und Leid - das bedeutet, dass man gleichzeitig noch Hoffen kann und Träumen, auch wenn alle Logik dagegen spricht.
    Man lebt nicht TROTZ dieser Haut, sonderen WEGEN ihr. Man kann Schmerzen durchleiden und es überleben.

    Sehr schöne Prosa. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke! Und ja, ich stimme dir da vollkommen zu.
      Außerdem ohne dicke Haut gibts auch kein Fell.

      :)

      Löschen
  3. Ich muss mich meinen Vorrednern anschließen.. Ich kenne NIEMANDEN, der so wunderschön schreibt, wie du. Deine Worte sind so bildlich, dass man sie beim Lesen richtig vor sich sieht.. Es ist ein bisschen, als würdest du eine Welt aus Magie erschaffen..
    Ich hoffe, die Angst geht bald vorbei.. Und ich denke ganz, ganz fest an dich.
    Du bist toll <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Niemanden? Wow, danke, danke, danke!
      Das bedeutet mir unglaublich viel!
      Vielen Dank :)

      Löschen

Was sagst du dazu?

HIER WIRD GESCHRIEBEN © , All Rights Reserved. BLOG DESIGN BY Sadaf F K.