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-346- Von Scholle zu Scholle


Über meinen Kopf spannt sich das gräuliche Himmelszelt und webt Gedanken hinter meine Augen. Gedanken, die schwer zu sehen und noch schwieriger einzufangen sind. In den tiefsten Augenblicken erfüllt mich Ruhe, sobald mein Kopf von Scholle zu Scholle springt und sich gefrorene Zehen meines Denkens fest in das feste Eis graben, als wären sie aus Butter und warm wie süßer Tee mit Honig. Mir wird nur nach zähen, elend langen Stunden klar, dass es nicht so einfach besser werden kann und dass ich nicht von heute auf morgen einfach damit aufhören werde, mein eigenes Denken zu verurteilen und mich zu sorgen und zu verzehren und an viele Orte gleichzeitig zu wünschen und mir ein Zerreißen herbeizusehnen. Es ist schwierig, die dunklen Waben zu sehen, die das Zuhause meiner Hoffnungen darstellen und die ich mit meinen Fingerkuppen nachzeichne, in der wahnwitzigen Überzeugung, sie sicher bald selbst zu verstehen. Auf dem Nichts baut sich mein Fieber auf, auf den Worten anderer wächst mein Herz und sticht, sticht sich durch den rauschenden Nebel, der sich um meine Kehle schlingen will. Ich habe Angst, nie ein gesundes Selbstbild haben zu können. Mir ist, als wäre ich am Ende eines Tunnels angelangt, durch den dringend Blut fließen sollte und in dem doch nur Krusten von Salz liegen, vom Meer, das Äonen zuvor unsere Splitter zu einer Seele hat schmelzen lassen. "Du versinkst", sagen sie und doch habe ich nicht das Gefühl, mich irgendwie zu bewegen. Stattdessen trete ich auf der Stelle und sehe das Aber, das Nichts, die Erfolglosigkeit und die immerwährende Abweisung. Ab und zu schaffe ich es, die Gedanken zu streichen, doch diese Augenblicke sind rar und es fehlt ihnen an Überzeugung und Intensität. Ich bin es nicht, die versinkt, ich beweg mich noch immer nicht. Ihr dagegen wandert weiter und lasst die Dinge hinter euch, ich kann es sehen, ihr wollt, dass ich auch weiter gehe. Aber ich bin müde und der Himmel versucht, aus meinen Augen zu verschwinden und mein Herz zu überholen. Sobald das passiert, wo gehen dann meine Sehnsüchte hin - und die Fäden, die mich hier halten, werde ich sie abschneiden können?

About Julia Mayer

Julia Mayer
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2 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. toller blog! hast du lust auf ggs verfolgen?:)

    http://jousi-wants-to-be-free.blogspot.de/

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    1. Danke! Gegenseitiges Verfolgen mache ich nicht, aber ich schau mir gern mal deinen Blog an ;)

      Liebe Grüße

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