12.07.12

-357- Impulse von außen

Manchmal gestaltet es sich als recht schwierig, inspiriert an das Schreiben heran zu gehen. Denn wenn wir ehrlich sein müssten, sind wir seltener inspiriert als wir es gern sein würden. Inspiration zu finden, kann eine knifflige Sache sein, denn auf jeden haben unterschiedliche Quellen Wirkung. Vor allem zu Beginn meines Schreibens konnte ich mich von allem inspirieren lassen. Ich denke, das lag daran, dass ich noch nichts von alledem geschrieben hatte, ich hatte noch nie geschrieben, wie jemand Milch trinkt und einen Bart davonträgt, oder wie angenehm ein Lächeln auf jemanden wirken kann. All das war neu für mich und alles erschien es mir wert, aufgeschrieben zu werden. Nach ein paar Jahren jedoch intensiven Schreibens jedoch, gibt es ziemlich viele Wörter und Sätze, die man schon oft verwendet hat - und das ist meiner Meinung nach der Punkt, an dem man sich uninspiriert fühlt und einem das eigene Schaffen hohl und wertlos vor kommen kann. Solche Situationen können zu Schreibdepressionen führen und ich denke, dass in jedem Fall die Laune eines Autors durch solche Gefühle erheblich sinkt. Es ist nicht schön und auch unerwünscht, doch es kommt vor. Und je mehr und länger man schreibt, umso öfter und heftiger können solche Szenarien eintreten.

Wodurch werden wir inspiriert und warum bringt es uns dazu, zu schreiben? Und wie inspiriere ich mich als Autor/in immer wieder neu, um das Schreiben lebendig und angenehm zu halten?

Ich denke, eine allgemeingültige Lösung gibt es für dieses Problem nicht. Manchmal schaffe ich es ganz gut, diese aufkeimenden Tiefphasen zu umschiffen, manchmal erwischt es mich aber auch eiskalt und dann bekomme ich wochen- oder monatelang kein Wort mehr zu Papier. Ich versuche meist, durch das Tief durchzuschreiben, denn manchmal liegt es nur an einem einzigen Kapitel, das einem nicht gefällt und einen hemmt. Und ich suche nach den Dingen, die mich von vornherein inspiriert haben. Das wäre zum einen die Natur. Ich gehe einfach gern einmal heraus und lasse das Schreiben im Haus, um einfach nur zu einer bestimmten Zeit in den Wald gehen zu können. Manchmal ist das ganz schön, wenn es regnet, aber meistens ist es früh morgens, wenn die Welt noch ganz still ist und sich nichts regt, außer das Licht. Wenn selbst noch das Getier vor sich hin döst. Zum anderen inspiriert mich gute Musik enorm, wobei das auch in den Genres variiert. Beim Schreiben höre ich immer Musiker wie Hammock, This Will Destroy You, Mogwai oder Spurv. Inspirieren kann mich aber auch Gesang, obwohl das seltener vor kommt.
Filme und Serien helfen auch, einmal dem Druck zu entkommen und sich auf etwas ganz Neues einzulassen. Während des intensiven Schreibprozesses lenken mich Serien zwar ab, aber gute Indie Filme wie Like Crazy, The Dish & The Spoon und Lost In Translation machen sich extrem gut als Inspiration und liefern angenehme Kreativitätsschübe. Ich denke nach wie vor, dass es wichtig ist, sich zu sagen, dass man auch später noch überarbeiten kann, solange man weiterhin schreibt und sich nicht von einigen schlechten Gefühlen beirren lässt. Das sagt sich meist leichter, als es letzten Endes umzusetzen ist, aber bei mir funktioniert es mit einer gehörigen Disziplin recht gut. Manchmal hilft es aber auch, einmal einen etwas längeren Abstand vom Schreiben zu nehmen und sich auf das Leben und die Menschen um einen herum zu konzentrieren. Ich verbringe dann gern Zeit mit einer Freundin und ihrer Familie und wir unternehmen viele Sachen. Da schreibe ich oft tage- oder wochenlang nichts, aber danach habe ich wieder neue Kraft geschöpft und kann mit der künftigen, zaghaften Inspiration umgehen.
Kommt Inspiration von außen oder kann sie auch von innen kommen? Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Großteil der Inspiration aus Anstößen von außen kommt. Ein Bild, das man sich ansieht, eine bestimmte Melodie, die einen an etwas oder jemanden erinnert, ein Mensch mit wandernden Augen, Beobachtungen von Fremden ... vieles kommt von außen. Ich denke aber auch, dass sich das Gesamtbild der wahren Inspiration aus beidem zusammensetzt. Dass man nur die Impulse von außen wahrnehmen kann, wenn man auch im Inneren einen Teil davon besitzt und es zusammenfügen und umsetzen kann. Sonst würde ja aus jedem äußerlichen Impuls immer das Gleiche entstehen, oder nicht? (Bilder via * and * und *)

Kommentare:

  1. (Was dein Artikel in mir hervor hebt, bzw, ich fasse zusammen :) )

    Was ist Inspiration sowieso? Ist es nicht eigentlich die Motivation von der wir sprechen, die uns fehlt? Ist es nicht der Mut nach dem wir suchen um Sachen auszuprobieren, ohne Angst vor den Kritikern zu bekommen? Sind es nicht die kleinen Ideen für die Zeilen zwischen den Schlüsselszenen, die einen Roman erst vollkommen gestalten?

    Was ist Inspiration? Diese Frage quält mich seit Jahren und ich finde immer noch keine Antwort.

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  2. Wovon wir uns berühren lassen, davon werden wir inspiriert. Ist es passiert, wollen wir es festhalten und ausdrücken. Es gibt ja nichts Schöneres, als das Schöne (ein Augenblick, der einen selber inspiriert hat zum Beispiel) zu teilen, das sich durch Sprache, oder durch Farben, Formen oder Töne in einem gelungenen Ausdruck mitteilt. Wie inspiriert man sich aber immer wieder neu? Vielleicht, indem man nicht aufhört, wie ein Kind die Welt zu entdecken.

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  3. und wieder einmal DANKE.
    Ich dachte, dieser Post hätte mir jetzt ein wenig Inspiration gegeben. Nachdem ich jetzt 10 Mal neu angefangen habe und es jedes Mal verworfen habe, gebe ich es einfach auf.
    Vielleicht ist die Zeit noch nicht da. Vielleicht mache ich mir wirklich zu viel Druck. Aber ich bin froh, wenn ich deine Texte lesen kann.
    Liebe Grüße,
    Belora

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  4. Danke für's in Worte fassen! Ich denke auch, dass ein sehr großer Teil der Inspiration von außen kommt. Diese Dinge sind es schließlich, die wir aufnehmen und verarbeiten. Wo soll die Inspiration sonst herkommen? Ich denke schon, dass man oft neuen Input von außen braucht.

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  5. ich hab ganz vergessen, wie schön du schreibst. ich hab deinen blog lange nicht beachtet, aber das war ein großer fehler. aber ich hatte einfach keine lust mehr irgendwas zu lesen, ich wollte nur noch bilder sehn. ab sofort lese ich deinen blog wieder regelmäßig und versuche nachzuholen, was ich verpasst habe. denn ich kenne keinen, der so schön mit den worten spielen kann und vor allem mit wörtern die ich nicht mal wirklich kenne. die ich im leben nicht benutzen würde, aber die perfekt zum text passen. ich beneide dich ein wenig darum.

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