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-361- Ein alter Prolog

 

Inmitten tausender flimmernder Gedanken gehe ich unter. Die Gewissheit des allen ummantelnden, nachtschwarzen Kosmos trägt mich fort und lässt mich aus dem Körper springen, der mich schon viel zu lang gehalten hat. Ungehörig viele Präsenzen drängen sich in mein Bewusstsein, meine Aufmerksamkeit wird auseinandergerissen wie ein spröder Faden, das Leben bläht sich auf und schrumpft zeitgleich zu einem Minimum, der vollkommenen Nichtigkeit, zusammen.
Hier ist nichts, außer freigesetzte Energie, die mich umfasst und in schleudernde Bahnen lenkt. Ich treibe dahin und versuche nicht unterzugehen. Dabei ist die Zeit das geringste Übel, die Furcht vor den kommenden Tagen hingegen ein Grund, meine Nullpunkte zum Explodieren zu bringen. Der Weg durch das Dunkel ist schon längst vergessen, hier ist nur noch das Beben meiner inkonstanten Oberfläche, das sich mit den Strömen tausend anderer Polare zu einem Meer vermischt, das sich im vergehenden Glanz der Supernova erstreckt.
Nicht eine Faser der Zukunft wird von solch unermässlichem Bestand sein, wie das Licht des sterbenden Sternes, das meine Gedanken verbrennt.
Körperlos geben wir uns hin, lassen das orgastische Beben durch unsere Zellen jagen. Und unsere Kerne knüpfen sich aneinander wie unverwundbare Gliedmaßen. Das Licht, das aus meinen Gedankensprüngen steigt, flimmert über deine unberührbare Haut; bare Schimmer jagen durch unsere wartenden Kehlen.
In mir drängt die Angst, dass der Kosmos sich vor uns verschließen wird. Dass das ein Ende bedeutet, das ich nicht zulassen kann und das mir jeden Knochen aus dem Leib ziehen wird. Wir sind von Unendlichkeit geprägt worden, zu einem Abbild der perfekten Menschen geworden. Doch die Realität zieht die Haut von den brennenden Muskeln der Erde; unter der Oberfläche brodelt es und in den Augen aller steht das Abbild schwarzer Löcher.
Alles verschlingende Höllen brechen über uns herein und ich lasse deinen Kern nach mir greifen, bis ich denke, dass du mein Herz nehmen und lachen wirst. "Schmerzt es dich?", wirst du fragen, und in meinem Kopf würde ich tausend Kosmen über dich zerweinen.
"Nein", könnte ich flüstern und mich fortreißen. Doch mein Kern würde sich immer nach deinem sehnen, als wären sie zwei Augen eines Menschen. Dunkle Winkel ohneeinander. Und ich will mich fort reißen, bevor sich Anker aus uns bilden und wir sinken. Ich will so sehr, doch die Supernova erlischt. All das ist nicht mehr als eine satte Erinnerung, die sich wie ein Beben in meine Lunge legt.
Ich weiß, ich bin hier noch irgendwo. Ich muss mich nur finden.

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Julia Mayer
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