04.09.12

-369- Einen Roman beginnen // Einen Roman beenden


Selbst als unbezahlter, unveröffentlichter Autor kommt man auf Kurz oder Lang an einen Punkt, an dem ein vor einiger Zeit begonnener Roman zu seinem Ende findet. Eine Zeit geht vorüber, in der man lange nicht zum Ende hat sehen können und es kommt einem selbst vielleicht sogar so vor, als hätte man zwischen den Seiten gelebt und mit den Charakteren all die Abenteuer erlebt, die es jetzt plötzlich nur noch im Past Tense geben soll.
Dabei vergessen wir sehr schnell, wie schwer der Anfang war, und dass es nach dem Schreiben der Geschichte auch noch weiter geht, insofern einem eine Veröffentlichung vorschwebt oder man es zumindest Freunden und Familie zum Lesen geben will.
Vor kurzem habe ich mein Projekt, an dem ich seit 1 1/2 Jahren arbeite, beendet - den ersten Teil von Vieren zumindest - und verbringe meine Zeit damit, zu überarbeiten, ein Exposé zu formulieren und Agenturen anzuschreiben. Ich weiß nicht einmal, ob ich auf diesem Wege wirklich dazu in der Lage wäre, Die Keimbrut zu veröffentlichen, doch den Versuch habe ich dennoch gewagt.
Während ich also damit beschäftigt bin und gleichzeitig am zweiten Teil, Die Splitterschar, der Tetralogie knabbere, denke ich daran zurück, wie ich dieses Projekt im November 2010 gestartet und seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekommen habe. Damals lief gerade der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) - und ich nahm mit einer Pseudohistorischen-Fantasy-Geschichte teil - und während ich daran schrieb, kam mir die Idee für ein neues Projekt: Old Souls lautete der Arbeitstitel und ich hatte vage Ideen, die sich nur langsam entwickelten. Mehrere Monate lang blieb das Projekt ein Sammelsurium übriger Einfälle und Funken, die sich zu einer eigenständigen Geschichte entwickelten. Doch erst im Frühjahr 2011 begann ich, das Projekt ernsthaft zu schreiben und die Schwere der Geschichte nicht länger aufzuschieben, so schwer es mir auch fallen würde, sie aufzuschreiben. Ich fühlte mich dem Ganzen nicht wirklich gewachsen, als müsste ich erst in diese Schuhe hereinwachsen - und während des Schreibens hat sich das nicht groß geändert.
Ich begleitete meine Protagonistin und Skar und Cash, Eliza und Ruben auf ihrem Weg, quälte mich durch Schreibtiefs und tippte Nächte durch ... zwischendrin gab es Monate, in denen ich kein Wort mehr zustande gebracht habe und ich kurz davor stand, das ganze Dokument mit einem Wisch in den Papierkorb zu verschieben ... und doch bin ich angekommen. Nun, ein Teil ist geschafft, doch eigentlich geht es noch immer weiter. Jetzt, da die ersten Entwürfe an die Testleser rausgegangen sind und ich zwischen Agenturanschreiben und Self-Publishing Gedanken feststecke, bin ich wie gehemmt, was die Überarbeitung und den Folgeteil angeht.
Einen Roman zu beginnen erfordert Mut, auch wenn man am Anfang das große Ganze noch gar nicht sehen kann. Es ist ein ganzes Stück Arbeit, zu schreiben und sich rund um die Uhr mit seinem Prosaprojekt zu beschäftigen. Ich stimme da voll und ganz Ernest Hemingway zu, der sagte: 'There is nothing to writing. All you do is sit down at a typewriter and bleed.'
Durchhaltevermögen kann selbst der kurzlebigste Mensch (wie ich) während des Schreibens entwickeln. Ab einem gewissen Punkt fiebert man so sehr mit den Charakteren mit, dass man selbst wissen möchte, wie es genau weiter geht - selbst bei detaillierter Planung überrascht einen die Geschichte immer wieder aufs Neue. Natürlich gibt es Tage, an denen ich das Gefühl habe, keinen anständigen Dialog fabrizieren zu können - oder an denen sich meine Worte wie zu Tode genutzt anfühlen. Das gilt es zu übrwinden, all den Druck sein zu lassen und es irgendwie zu schaffen, nur noch an das Schreiben an sich zu denken. Ich für meinen Teil schreibe der Worte willen, die Geschichte ist das unerwartete Extra.
Nun, was ist also das Geheimnis eines beendeten Romanes? Meiner Meinung nach gibt es keines. Egal, wie lang man für einen Roman brauchen mag, ob zwei Monate oder zehn Jahre, in jedem künstlerischen Projekt steht intensive Arbeit, Blut, Schweiß und Willenskraft. Manchmal wünsche ich mir auch, es würde mir einfacher fallen, doch an vielen Tagen weigert sich mein Kopf, so tief in mich zu gehen und dort zu bleiben, wo es am meisten weh tut, nur um eine Geschichte zu schreiben. Manchmal ertrage ich das auch nicht. Und so ist es ganz gut, dass ich mindestens ein Jahr für ein Buch brauche, um es überhaupt aus dem ersten-Entwurf-Kasten heraus zu kriegen. 

1 Kommentar:

  1. Es steckt viel Zeit und Kraft dahinter, so ein Projekt anzugehen und es dann auch zu beenden! Da kannst du stolz auf dich sein, das geschafft zu haben! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für die Veröffentlichung! Ich glaube an dich!

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