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-376- Hüllen


All meine Furcht sammelt sich in der Angst davor, nichts beeinflussen oder kontrollieren zu können. Ich kann niemandes Meinung, die sich im tiefen Hirnstamm bildet, nehmen und verändern, ich kann ein schlechtes Gefühl nicht ungefühlt werden lassen, ich kann keine Gedanken ins Nichts verbannen. Einmal gedacht geht es nicht mehr fort, es bleibt ein Eindruck, es bleibt das schlechte Gefühl und die Kritik brennt sich wie schwarzes Gift in das Denken. Es reicht nicht mehr, nur zu schreiben und auf der Jagd nach Menschen zu sein, die verstehen was ich meine, die es von vorn bis hinten akzeptieren. Heute kann ich nicht mehr damit umgehen, wenn mir vorgeworfen wird, es gar nicht besser zu können. Wenn gesagt wird, dass es Lücken gibt und dass ich nichts schreibe, was Menschen lesen müssten. Das Einzige, was ich wirklich ausdrücken kann, sind meine eigenen Gedanken, doch nie reicht es für etwas Bewegendes, nie vermag es auf dem Papier so pur auszusehen und sich so intensiv anzufühlen, wie es ungeschrieben noch war. All die Schönheit im Kopf geht beim Schreiben verloren, bis ich nur noch mit vagen Hüllen aufbiete und breche und mich vor Angst und Wortlosigkeit winde. Ich hassehassehasse es, was für eine Furcht ich vor Meinungen habe und wie abhängig ich mich von schwindenden Antworten mache, von Blicken, von Taten. Bis ich nur noch fürchte und mich zurückziehe und gar nichts mehr zu erreichen versuche.

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Julia Mayer
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2 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. »All die Schönheit im Kopf geht beim Schreiben verloren« - Ich habe selten so etwas Wahres gelesen. Danke für diese Zeile. <3

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