latest Post

-404- Meine Meinung ist es, keine Meinung zu haben


Jeder hat das Recht, sich eine Meinung zu bilden. Und mittlerweile nimmt auch so gut wie jeder täglich von diesem Recht Gebrauch. Keine Meinung wird jedem gefallen, es ist ein schieres Ding der Unmöglichkeit, was jeder Mensch in seinem Leben früher oder später zu erlernen hat. Manche lernen es schneller, andere langsamer. Ab und zu müssen wir erst mit dem Kinn auf den Boden schlagen und einen gepfefferten Tritt in den Hintern bekommen, um andere Meinungen nicht zu verurteilen. Ehrlich gesagt fällt es mir sehr schwer, andere Meinungen zu akzeptieren, wenn sie sich nicht mit der meinen vereinbaren lassen. Positiven Stimmen traue ich nicht, weil ich fürchte, dass sie nicht ehrlich sind - und von negativen Stimmen bin ich überzeugt, dass sie nicht zu 100 Prozent Recht haben können. Und das ist es: sowohl das Eine, als auch das andere stimmt! Für mich macht meine Meinung Sinn, weil ich sie ausgebrütet und Zeit mit dem Überdenken verbracht habe. Für jemand anderen macht seine eigene Meinung genauso viel Sinn. Wenn wir erst einmal akzeptieren, dass die eigene Meinung etwas Privates ist, das niemandem weggenommen werden kann und sollte, fällt es leichter, andere Menschen zu akzeptieren. Mich stört es nicht, wenn jemand Kristen Stewart für eine gute Schauspielerin hält, weil ich es nicht ebenso empfinden muss - aber kann - und mich stört es auch nicht, wenn jemand Katzen lieber als Hunde mag, weil ich persönlich beide Tiere mag oder nicht mag und es mich nicht tangiert, wenn andere meine Meinung nicht teilen. Es ist mir gleich, weil meine Meinung mir gehört. Immer seltener verspüre ich den Drang, meine Meinung zu teilen, geschweige denn sie zu verteidigen und mich einer handfesten Diskussion zu stellen (ihr wisst schon, mit argumentieren und solchem Kram.) Früher habe ich mich durch solche Situationen hindurchgestottert, gekämpft und mich mit anderen angeschrien - mittlerweile gebe ich lieber auf. Ich gestehe mir eine eigene Meinung zu, aber ich wage es nicht, diese zu verteidigen. Nicht immer jedenfalls.
Das heißt nicht, dass mich negative Stimmen oder befremdliche Meinungen nicht emotional frustrieren. Wenn es um mich persönlich geht, bin ich sehr engstirnig - aber ich arbeite daran, denn ich bin kein Endprodukt, ich bin noch nicht fertig und an sich zu arbeiten ist wichtig, auch wenn es verdammt weh tut (wie wachsen eben). Oft weine, schreie und verfluche ich mich und andere, doch zum Glück gibt es dann noch Menschen in meinem Leben, die mir auf den Deckel geben, sagen: Ja, du ärgerst dich, aber jetzt ist gut ... oder eben, dass sich die Welt nicht nur um mich dreht. Vielleicht nicht die Welt, stimme ich zu, aber MEINE Welt eben schon. Und wenn ich das Gefühl habe, dass dort jemand reingreift und vielleicht etwas zu zerdrücken versucht, fällt es mir schwer, meine Schutzschilder wieder aufzubauen. Es zieht mich runter, es ist natürlich, weil es jeden hinunterzieht und weil sich jeder davon übermannt fühlen würde. Das ist mein Leben, muss ich mir immer sagen, und du lebst es einfach. Und leben heißt eben nun mal, nicht stecken zu bleiben, sondern weiter zu rennen. Nicht beleidigt sein, sondern differenzieren.
Sowas wie Rückentwicklung gibt es meiner Meinung nach nicht (und ihr dürft mir gern widersprechen, aber wer gut aufgepasst hat, wird hoffentlich keine Diskussion erwarten), sondern nur das Weiterwachsen. Und oft genug ist es der Fall, dass man Altes ablegen muss. Menschen bleiben zurück, weil man sich nicht länger mit ihnen identifizieren kann und sie einem nichts Positives mehr geben können (und man auch selbst nichts mehr für sie zu geben hat) und weil sie einen gar nicht mehr kennen - und in einigen Fällen auch gar keinen Wert mehr auf das Kennen legen, Gegenstände werden aussortiert und Verhaltensweisen überdacht. Wichtig für mich ist nur, dass ich mich für mich verändere und nicht, weil andere es besser für mich halten.
Wenn ich daran denke, dass ich in vier Tagen zum zweiten Mal nulle, wird mir schlecht. Weil ich wünschte, ich wäre schon zwanzig Jahre weiter. Weil ich es nicht ertrage, länger halb zu sein, so unausgegoren und wie eine halbe Buchidee, ohne Anfang, ohne Ende in Sicht. So, als könne mich gleich jemand wieder weglegen, weil ich doch nicht ausreiche - weil man mit mir doch keine Seiten sinnvoll füllen kann.

About Julia Mayer

Julia Mayer
Recommended Posts × +

2 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. Freu dich auf Sonntag und darauf, dass du nicht ausgegoren und fertig bist! :) Zwanzig Jahre weiter wäre nun wirklich beim besten Willen nicht möglich. :D
    Im Übrigen, wer sagt, dass du dann in zwanzig Jahren fertig bist? Das Leben ist - Gott sei Dank - ständige Entwicklung. Es wäre schlimm, wenn nicht, denn dann wäre es doch langweilig. ;)

    AntwortenLöschen
  2. Winterkind, ich hab mich so in deinen Zeilen wiederekannt! Das Frustrierendste ist vllt, dass du dich vllt wie ich auch 7 Jahre später noch immer halb fühlen wirst. Man wünscht sich eine Zukunft herbei, in der sich alles endlich zusammenfügen wird und man seine Bestimmung gefunden hat, aber Jahre später merkt man, dass das nicht passiert, wenn man nicht aktiv eine Richtung einschlägt und sei es auch, um einfach weiter zu wachsen wie du sagst. Auch wenn es eine falsche Entscheidung gewesen sein sollte... Ich habe übrigens 4 Tage nach dir ;)

    AntwortenLöschen

Was sagst du dazu?