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-422- Der kleinste deiner Schatten


»Wie soll ich das bloß erklären? Ich glaube fest daran, dass Menschen miteinander durch unsichtbare Fäden verbunden sind. Aber alle anderen scheinen ihre Bänder schneller zu flechten als ich. Während sie schon ihr Lasso um jemandes Knöchel winden, gewöhne ich mich an den Gedanken, meinen Faden langsame und weite Kreise um sie ziehen zu lassen, austestend, ob sie mich an sich heranlassen, ob es sich lohnt, ob es erwidert wird oder ob mein Faden eine einzelne, unerwiderte Geste bleibt. Du hast mich langsam umschmeichelt. Deine Bänder haben sich an meine geschmiegt und unsere Fäden verflochten sich nach und nach ineinander. Ich habe mich daran gewöhnt, dass dein Bein sich unterm Tisch an meines schmiegt, dass meine Lippen brennen wenn du mich küsst, dass meine Haut an den Stellen, die du berührt hast, anders schmeckt. Unsere Fäden haben einen langsamen Tango getanzt und sind zu einem verschmolzen. Das Ding ist, dass du dich irgendwann – ich weiß nicht genau wann, ich hab es erst gar nicht mitbekommen – aus der Verflechtung gelöst hast. Du hast mich gehen lassen. Dein Faden hat den meinen verlassen, während ich mich mit jeder Faser noch an den kleinsten deiner Schatten klammere. Wie kannst du mich alleinlassen, wenn ich gar nicht mehr weiß, wie ich allein existieren soll? Wie kannst du?«

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Julia Mayer
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1 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. Netzspinner und Gedankenseile!!!!!

    Das Seil soll nicht binden, nicht ketten, nicht fixieren.

    Es soll VERbinden.

    Zum Teufel mit der Gewohnheit.

    Eine feine Linie. Filigran.
    Kein Tau – nur ein Faden.

    Es kann einen Teil des Weges weisen; in unentdecktes Land.

    Wege sind aber immer auch ein Wagnis. Egal, jedes Wagnis ist es wert, wenn meine Lippen Dich nur wieder berühren dürfen. Wenn mein Körper nur Deinem wieder so nah sein darf. So nah, dass es nichts gibt, dass uns trenenn könnte. Wenn unsere Körper und Seelen verschmelzen.

    Im Kopf sind viele Widersprüche.
    Gibt man sich der Sehnsucht hin und riskiert den Schmerz, oder bleibt man wo man ist und verharrt in der grauen, zähflüssigen Emotionsmasse der seelenlosigkeit; bar jeder Leidenschaft?

    Wo bist Du nur? Wo?!?! Ich spüre noch Deine Haut auf meiner Zunge. Meine Hände liegen im Gedanken noch auf Deinen Schultern. Dein herber Geschmack liegt auf meinen Lippen und bleibt dort.

    Die Sicht ist nicht klar. Aber das ist sie nie. Entscheidungen werden nicht abgenommen. Da sind wir – alleine und haltlos. Keiner da, der einem die Richtung weist.
    Mut, komm, und lass einen Fuß vor den anderen treten. Mut, lass mich bewegen. Komm schon Mut, Du alter Feigling.

    Zart möchte ich Dich umgarnen. Wie eine Blüte, mich an dich schmiegen. Aber schwarze Wände türmten sich zwischen uns auf.
    Jedoch konnten auch sie nicht unsere Seile kappen.

    Wir sind durch ein Gedankenseil verbunden. Selbst jetzt, da Du soweit weg bist.
    Ein Gedankenseil, dünn wie ein Bindfaden. Worte werden wie Maschen weiter und weiter zusammengeknüpft. Solange, bis sich in dem scheinbaren Wirrwarr Muster abzuzeichnen beginnen. Ein Geäst entsteht. Ein feingliedriges Netz aus Gedanken, Vorstellungen, Interpretationen, Wünschen, Phantasien. Zusammengehalten von unseren Herzschlägen.

    Zwei Netzspinner setzen ihre Arbeit fort. Wir gehen aufeinanander zu und rennen voneinander weg.

    Komm zu mir, ich sehe Deinen Faden an meinem. Es ist eine Verbindung; keine Schnittstelle. Keine Bruchstelle.
    Sehnsüchte warten darauf erfüllt zu werden. Verlangen beginnt zu glimmen. Oh bitte loder, Verlangen. Loder! Gib mir Hitze. Du bist die ordnende Kraft im Chaos.

    Ich recke mich Dir entgegen.
    Wo bist Du?

    Ich strecke meine Arme ins Unbekannte. In den Nebel. Meine Finger tasten erwartungsvoll und mit aller Kraft in die Höhe, aber auch in die Tiefe. Es gibt keine Garantie für Wohlbehaltenheit. Keine Zusage. Nur ein Zittern vor Neugierde. Die Sicht reicht immer nur bis vor die Füße.
    Man begibt sich ein stückweit in die Obhut des Gegenübers, wenn man dessen Faden aufnimmt und weiterspinnt, … oder eben nicht.

    Es geht im Bauch auf und ab, wenn sich um einen die Seile straffen und lockern und man selbst ein Stück tiefer sinkt in dem leeren Raum. Gräßlich ist es, wenn die Seile um einen reißen und wenn man fällt. Du süßes Verlangen. Komm zu mir, lass mich nicht alleine. Lass mich nicht hängen - lass mich Dich auch nicht alleine lassen. Reiß mich mit; reiß mich auf, still meine Gier.
    Und lass mich Deine stillen.




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