25.06.14

-439- Der Monolog des Autors


Das richtige Wort will nicht schlüpfen, also schüttle ich an den Sätzen als ginge es um mein Leben. Ich schreie das Dokument an, wenn es weiß bleiben will, oder ich schreibe tausend unzusammenhängende Wörter. Sterne als Platzhalter, "..." für die Wörter, an die sich mein schmerzender Kopf nicht erinnern kann. Sie sind alle da, die kleinen Übeltäter, denn sie sitzen wie Zecken in meinem Fleisch. Aber ich zupfe an den Wolken und sauge den Himmel auf, als könnte er mir Wörter schenken, die es noch nicht gibt. Wie seidenbeseelte Freiflieger, klaustrophobische Sonntagsstunden und das ewige, grau getünchte Versagen.
Ich locke, Himmel, ich locke doch! Tanze mich ab, bevor ich Stunden vor dem leeren Dokument sitze und nur Halbsätze gebäre. Mach die Musik lauter, ich muss sie spüren; sie soll das ersetzen, was all die Zweifel provoziert. Im einen Moment müssen die Lampen blenden, im nächsten kann es nicht dunkel genug sein. Die Kerzen sollen angezündet sein, aber ihr Flackern darf mich nicht durcheinanderbringen. Und am besten beim Schreiben ist Rhythmus, ist Schnelligkeit, ein brechender Beat, der mir das Trommelfell zerschlägt. Oh, trink ein Bier, zünde die Zigarette an, lass das Denken sein. Schreiben ist nicht denken. Schreiben ist alles gehen lassen und pur sein; für Weitsichtigkeit bleibt kein Raum mehr.
Und jetzt schrei nicht mehr, lass die Wörter schreien. Ist das denn so schwer?

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