22.07.14

-441- So sieht das also aus


Der Morgen beginnt wie eh und je. Ich stehe auf, nehme meine Tabletten und schaue, wie die Seite auf Facebook läuft und ob ich eMails zu verschicken habe. Gut, dass ich gestern bei der Bibliothek war und endlich die ausgeliehenen Bücher zurückgebracht habe - dadurch ist meine an der Korkwand festgemachte To-Do-List nicht mehr ein ganz so großer Schrecken.
Arzttermine, Finanzen und Einkaufslisten, auch wenn es nicht viel erscheint, vergesse ich viel. Dürfte eigentlich nicht so sein, ich bin einundzwanzig Jahre alt und mein Gedächtnis sollte funktionieren! Ich schätze, Verdrängung ist für mich die leichteste Art und Weise, mit Dingen umzugehen, die ich nicht sofort erledigen kann.
Ich arbeite im simplen Rhythmus - eine englischsprache Serienfolge, 15 Minuten Schreibsession, Recherche und Marketing im Internet. In fünfzehn Minuten schaffe ich rund fünfhundert Wörter, jedenfalls wenn es gut läuft. Ab und an sitze ich stumm und starr vor dem Dokument und die Worte winden sich.
Seit einigen Tagen quälen mich die Gedanken an meine Projektanzahl. Ich schreibe aktiv an meinen Rehen, nebenbei überarbeite ich den dritten Old Souls Band und versuche auch Elysium, meinen Vampiren, eine Generalüberholung zu verpassen. Zudem habe ich mein Buch über Depressionen halb fertig in der Schublade, plane meinen Roman im Nendo-Universum (zugehörig zum Awesome-Projekt, an dem ich mit mehreren Autoren teilnehme) und träume von einem Hexenzirkel als nächstes Projekt.
Das Studium ist auch noch da, wartet darauf, dass ich mich ihm mit vollem Herzen widme. Ich kümmere mich auch darum, aber es ist nicht meine Hauptaktivität. Viel meiner Kraft fließt in Rehruf hinein.
Hier und dort gestalte ich für Freunde noch ein Cover, nehme Maries Kernstaub als Hörbuch auf und die Hitze kocht derweil mein Gehirn. Es könnte schlimmer sein. Ich könnte in einem Büro sitzen und mit Menschen arbeiten müssen, ein wahres Grauen für mich. Ich könnte in einem Krankenhaus umherlaufen und Patienten den Hintern abwischen.
Ich habe es gut getroffen, ich mache das, was ich liebe. Es ist trotzdem Arbeit und ich habe auch Druck, auch wenn dieser größtenteils von mir selbst kommt. Es ist schön, für die Existenz zu schreiben, aber es ist auch irgendwie unmöglich.
Ein wenig tröstet mich das Lesen von Biographien und Tagebüchern anderer Künstler und Schriftsteller. Vor einem halben Jahr las ich zum Beispiel Frida Kahlo's Biographie (siehe Bild), die mich sehr mitgerissen hat. Und es ist auch beruhigend, zu wissen, dass Kunst ebenfalls Opfer erfordert. Nicht weniger als ein "normaler" Job.
Zumindest muss ich mich hier nicht zensieren, hier kann ich lockerer schreiben. Fast ein wenig wie ein Tagebuch, auch wenn ich sowas nie lange durchgehalten habe. Viele Autoren empfehlen ja, ein Schreibtagebuch zu führen. Wollen wir's mal versuchen.

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