latest Post

-450- Wie schreibe ich einen Roman in 30 Tagen?

Mein November war (beziehungsweise ist) dermaßen produktiv, dass ich innerhalb von 26 Tagen einen Roman - Frostbite - begonnen und vollendet habe. Da NaNoWriMo ist, ist eine hohe Wortzahl nicht so ungewöhnlich, aber ich habe es noch nie geschafft, einen ganzen Roman innerhalb so kurzer Zeit zu beginnen und auch zu einem Ende zu führen. Demnach bin ich sicherlich kein Experte, aber ich möchte euch trotzdem gern daran teilhaben lassen, wie ich innerhalb so kurzer Zeit einen Roman habe schreiben können.
Also, schnallt euch an, Pilotenbrillen auf, es geht los!

1. Vorbereitung

Die Idee für meinen Roman geisterte mir schon länger durch den Kopf, aber ich habe erst im Laufe des NaNoWriMos begonnen, es zu schreiben. Zur Vorbereitung gehört bei mir ein gewisses Maß an Planung, wenn auch eher grob.
Ja, ich bin ein Pantser (jemand, der aus dem Bauch heraus schreibt) und kein Planner, der unbedingt detaillierte Planung benötigt, um loslegen zu können. Beides hat seine Vor- und Nachteile, aber ich kann nur empfehlen, beides mal auszuprobieren, um herauszufinden, was einem eher liegt.
Für einen Roman in dreißig Tagen braucht man auch viel, viel Zeit. Am besten hat man keinen Job oder ist Vollzeit-Schriftsteller oder (zugegebenermaßen freidenkender) Student.
Fehlende Zeit kann jedoch auch durch ein enormes Maß an Disziplin wett gemacht werden. Ohne Getränke wie Kaffee, Kakao, Tee und Mate würde ich außerdem nicht weit kommen. Auch Fressmaterial sollte immer vorhanden sein - aber Vorsicht: zu viel Koffein und Süßes/Salziges sorgt für Sodbrennen und könnte vom Schreiben abhalten.

2. Der Anfang

Ich setze darauf, mir am Anfang einen guten Puffer anzuschreiben. Je nachdem wie hoch dein Endziel ist (bei mir in diesem Monat sind es 100.000 Wörter) desto mehr musst du pro Tag schreiben und desto höher sollte dein Puffer sein. Der Anfang ist meist das Schwierigste und zur gleichen Zeit auch das Einfachste, weil man irgendwann nicht mehr aufhören kann mit dem Schreiben und noch viel Energie durch den Körper fließt.

3. Fokus!

Wie jeder normale Mensch, geht einem nach einiger Zeit die Konzentration flöten. Es gibt ja schließlich noch das Internet und man möchte auch nicht die aktuelle Heute-Show verpassen, oder was weiß ich. Familie und Freunde sind auch noch da und stören einen immer dann, wenn die kreativen Säfte gerade fließen.
Ich kann nur empfehlen, sich feste Zeiten zum Schreiben zu nehmen! Es helfen WordWars und WordSprints, aber mich stressen diese eher. Ich zähle auf eine einfache Stoppuhr und 10-Minuten-schreiben~10-Minuten-Pause Rhythmus. So schaffe ich ca. 1000 Wörter die Stunde. Wenn ich richtig im Fluss bin, sogar mehr. (Ich verwende dafür das Programm FocusBooster, falls es jemanden interessiert.)

4. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Das ist schon schwieriger, denn meist fange ich spätestens nach einer Woche an, zu verzweifeln. Der Wordcount sinkt Tag für Tag ab. Ich bin zwar noch im Soll, aber wie lange noch, wenn ich nur noch -gerade so- den Mindestwordcount decke?
Spätestens hier empfehle ich einen Ruhetag. Einen ganzen Tag lang auf das Schreiben verzichten, egal, wie sehr einen das schlechte Gewissen quält und wie sehr man wieder an die Arbeit möchte. Wenn es nicht fließt und auch der größte Zwang nichts mehr bringt, braucht der Kopf eben eine Pause.
Geh raus an die frische Luft. Lies ein bisschen! Trink Wasser, mach Sport oder geh dir Katzen angucken. Egal was dir hilft, alles ist erlaubt! Und am nächsten Tag setz dich wieder hin, pushe durch den Anfang und gib dich nicht mit dem Mindesten zufrieden. Setze dir ein gutes Ziel und wenn du es erreichst, schreib noch ein bisschen mehr, WEIL DU ES EINFACH KANNST.

5. Ja, aber, Überarbeitung?

Das kann gar nicht oft genug gesagt werden: wer so verrückt ist, einen Roman in dreißig Tagen schreiben zu wollen, hat keine Zeit für Überarbeitung. Der erste Entwurf ist auf's Papier zu bringen und erst, wenn DAS geschafft ist, darf dein innerer Kritiker wieder rauskommen. (Aber bitte erst, nachdem das Manuskript eine Weile geruht hat.)
Bei 30 Tagen - Ein Roman gilt die goldene Regel: niemals zurückschauen, nur vorwärts! Ich für meinen Teil schreibe mir Änderungen in mein Notizbuch und schreibe dann einfach weiter als wäre nichts gewesen, und das funktioniert - mit etwas Übung - wirklich gut.

6. Community

Am einfachsten ist es außerdem, wenn man durch diesen verrückten Monat nicht ohne Begleitung geht. Man mag es nicht glauben, aber es gibt genug andere Verrückte dort draußen, die entweder den NaNoWriMo, CampNaNo oder auch so mal gerne mitmachen. Auf Twitter kann man zbsp. WordWars finden, oder gründet gleich eine Skype-Schreibgruppe.
Der einzige Nachteil daran ist, dass es einen ebenfalls herunterzieht, wenn die anderen Mitglieder nicht vorankommen. Meiner Meinung nach sollte man sich bei Negativität - in diesem Fall - kurz distanzieren und für sich schreiben, oder versuchen, die anderen mit einem WordWar aufzumuntern und somit auch sich selbst zu pushen. Nicht mit ins Jammern einsteigen, das macht es nur schlimmer, meine Damen und Herren!

7. Die Zielgerade

Manchen macht diese ja Angst und es fällt plötzlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich kenne das auch. Sehe das Licht am Ende des langen, zähen Romantunnels und will meine Charaktere noch nicht gehen lassen.
Keine Sorge, bei der Überarbeitung werden die Charaktere sehr bald anfangen, einem auf den Geist zu gehen. Und ich kann gar nicht sagen, was es für ein Rausch ist, ein Buch zu beenden. Erleichterung, Trauer, Ekstase, alles vermischt sich zu einem süchtig-machenden Cocktail.
Vielleicht spreche ich da nur für mein verrücktes Ich, aber mir schießt dann durch den Kopf: NOCHMAL, WEITER. Denn ich will nicht, dass es aufhört. Ihr etwa?

About Julia Mayer

Julia Mayer
Recommended Posts × +

1 SEKTSCHALE(N) MIT HIMBEEREN:

  1. Wow, das motiviert ja richtig! Vor allem, weil ich gerade so viele neue Projektideen habe. Nach diesem tollen Beitrag würde ich mich am liebsten in die Schreibecke verkriechen und wie im Fieber drauflostippen.
    Danke. Den Beitrag kann ich sicher wann anders gebrauchen - wenn ich mehr Zeit habe :)
    Alles Liebe,
    Julchen

    AntwortenLöschen

Was sagst du dazu?