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-547- [Rookies Tagebuch] Warum eigentlich Selfpublishing?


Ich werde immer wieder gefragt, warum ich mich eigentlich für das Selfpublishing entschieden habe. Die immer gleichen Fragen haben oft auch einen negativen Ton (wenn auch nicht immer), der mir mittlerweile gehörig gegen den Strich geht. "Konntest du etwa keinen Verlag finden?" oder "Verdienst du als Selfpublisher überhaupt was?" sind einige seltsame Beispiele. Ich möchte heute einmal näher darauf eingehen, diese Fragen beantworten, damit ich in Zukunft vielleicht von solchen Fragen verschont bleibe. Neugierde in der Hinsicht kann ich zwar nachvollziehen, aber ich frage andere ja auch nicht, ob sie von ihrem Job leben können, oder ob sie jemals denken, mehr verdienen zu können.
Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, wollte ich nicht Schriftstellerin werden. Ich hatte im Kopf, dass es eine brotlose Kunst ist, und ich wollte nicht von der Hand im Mund leben. Erst mit den Jahren hat sich meine Einstellung verändert und mit Entstehung des Selfpublishings wandelte sich auch meine Sicht auf die Dinge. Ich habe mich bewusst für das Selfpublishing entschieden, das ist mir nicht einfach passiert und es lag auch nicht daran, dass ich "keinen Verlag gefunden hätte". Dadurch, dass ich ein sehr kontrollbedürftiger Mensch bin, der nur schwer mit anderen zusammenarbeitet und sich ungern etwas vorschreiben lässt, war es eine ideale Lösung für mich. Darauf gekommen bin ich erst durch meine Mutter, die wollte, dass ich mir nicht an Verlagen weiterhin die Zähne ausbeiße (einige schlechte Erfahrungen mit Verlagen und Agenturen seien hier am Rande erwähnt. Beide Parteien wollten mir vorschreiben, was ich schreiben sollte, und das hat einfach nicht geklappt, weil ich nicht auf Knopfdruck funktioniere.) und sich über das Selfpublishing informiert. Nach einigen Wochen des Überlegens und der genaueren Recherche habe ich schließlich den Sprung gewagt und im November 2012 meinen ersten Roman in Eigenregie veröffentlicht.
Seitdem lerne ich immer wieder dazu, sehe, was ich zu Beginn für Fehler gemacht habe und musste mich auch an den Marketing-Gedanken erst gewöhnen, der ebenfalls eine große Rolle spielt. Eine größere, als ich jemals gedacht hätte. Das Selfpublishing hat viele Vorteile, erstens bin ich mein eigener Chef, mein Verdienst ist besser als er bei einem Kleinverlag wäre (und seien wir ehrlich, ich schreibe keine Bestseller, sondern eher nischig, deswegen geht mir da auch kein großer Autorenvertrag bei Verlagshäusern durch die Lappen) und ich habe über alles die Kontrolle. Ich kann schreiben, worauf ich Lust habe, und ich kann mir selbst Abgabetermine geben, somit stehe ich bei niemandem unter der Fuchtel. Auch, dass ich über Cover, Klappentext & CO. die Bestimmungsrechte habe, ist mir extrem wichtig. Zudem bin ich einfach kein Teammensch, ich arbeite am liebsten allein, sonst wäre ich vermutlich kein Autor. Denn das Schreiben ist einsam und das ist gut so.
Was meine Verdienste angeht, finde ich die Frage immer sehr unangenehm. Ja, ich verdiene etwas. Kann ich bereits davon leben? Nein, nicht zur Gänze. Ich habe keinen festen Verdienst, es schwankt immer wieder, denn obwohl das Selfpublishing Arbeit ist und nicht nur Kunst, kann man nicht erwarten, von heute auf morgen einen Mordsbetrag auf dem Konto zu vermerken. Es ist ein organischer Prozess. Je mehr ich schreibe, desto besser wird auch mein Verdienst, außer natürlich, ich lasse Quantität über Qualität siegen. Das möchte ich nicht und auch meine Leser würden dann darunter leiden.
Sicherlich hat das Selfpublishing auch seine Nachteile. Wenn ich krank werde, macht niemand meine Arbeit und meine Verkäufe laufen auch nicht von allein. Cover und Lektorat kosten Geld, sodass ich auch von meinen Verdiensten noch nicht sonderlich viel habe. Alles, was reinkommt, fließt sofort in ein nächstes Projekt, sodass man wirklich von der Hand im Munde leben muss. Ist das schlimm? Nein. Denn ich habe meine Prioritäten gesetzt, ich weiß, dass ich schreiben will und kann und dass mir das keiner wegnehmen kann. Damit Frieden zu schließen war das Beste, was ich für mich persönlich habe tun können.

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Julia Mayer
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