10.04.16

-569- Aller Anfang ist schwer? (Oder auch: Wieso Romananfänge lutschen.)

Bevor ich diesen Tag als etwas unnütz und deprimierend abstempeln muss, blogge ich lieber über meine Frustration - auch auf die Gefahr hin, dass das Ganze etwas negativ klingen könnte. Ich versuche, vor allem beim Schreiben, realistisch an die Dinge heranzugehen und mich sowohl von einem zu träumerischen Ausblick als auch von ewiger Negativität abzuhalten. Deshalb gebe ich mir große Mühe, nicht mehr zu viel zu "jammern", auch wenn das nicht immer leicht ist (und wer mir auf Twitter folgt, weiß, dass ich ausgiebig und meist auch nur aus einer Laune heraus jammern kann). Also, ich will heute nicht jammern, aber ich habe ein Problem. Und zwar ist dieses Problem nicht all zu neu, aber ich habe es auch nicht schon immer gehabt. Und ja, natürlich hat es mit dem Schreiben zu tun.
Ich liebe viele Dinge am Schreiben; ich liebe natürlich den Flow (den Moment, wenn sich alles ineinanderfügt und man nicht mit dem Schreiben aufhören kann), ich liebe es auch, Wörter erst einmal bergen zu müssen wie mit einer Spitzhacke, ich liebe es, dass es anspruchsvoll ist und nicht einfach larifari dahingeschmuht werden kann. Ich liebe also die Arbeit und dass die Gedanken dabei schmutzig werden, dass es hart ist und doch immer wieder enorm belohnend. Was ich nicht mag, sind Anfänge. Früher habe ich an diese herzlich wenige Gedanken verschwendet, ich habe einfach angefangen und mich eben so durchgewurschtelt, wie's mir kam. Bevor ich mich um Veröffentlichungen gekümmert habe, brauchte ich kein Ziel, ich schrieb auch nicht immer, sondern nur, wenn ich mich danach fühlte und ließ mich eben von meinen eigenen Emotionen leiten, sodass ... sagen wir so, es nicht immer logisch gepasst hat. Aber das war nicht schlimm, denn damals haben das nur ich und ein paar Leute in Foren gelesen und das war alles noch easy, habe ich so das Gefühl. Mittlerweile wird es von Buch zu Buch schwieriger für mich, den Einstieg in eine Geschichte zu finden. Aus Angst, mich zu wiederholen, versuche ich die Dinge neu und anders zu beschreiben, nur um mich gleichzeitig emotional abgekapselt von den Charakteren zu fühlen. Besonders zu Beginn bin ich zu sehr fokussiert aufs Vorankommen und bin nicht "im Moment", worunter, meiner Meinung nach, die Geschichte leidet.
Auch bei "Gelb" bin ich momentan an diesem Punkt. Es ist schon einiges ausgeplant, aber ich will schon ein bisschen daran schreiben, vor allem, da ich den Anfang schon ordentlich in der Planung gestutzt und daran gefeilt habe. Und der Plot ist in diesem Fall auch nicht das Problem - mein Empfinden ist es. Ich fühle mich Esther, der Protagonistin, zwar enorm verbunden und ich weiß genau, wer sie ist, wie sie lebt, was ihre Wünsche und Motivationen sind, was sie am liebsten isst und was sie auf die Palme bringt, was sie ängstigt und was sie in Euphorie versetzt. Aber wenn ich es schreibe, werde ich zu einer Erzählerin, ich bin nicht drin in ihrem Kopf. Ich habe zwei Anfänge geschrieben, aus unterschiedlichen Sichten, in unterschiedlichen Zeitformen und mit ganz anderen Szenen als Aufhänger, die doch jede auf ihre Art und Weise eine Seite zeigt, die sich als Aufhänger gut machen würde. Aber ich fühle es nicht, es kommt mir noch zu stumpf, zu holzig vor, und ich bin ratlos. Ich will nicht auf eine Eingebung warten, denn das halte ich für absolute Zeitverschwendung. Ich möchte mich durchbeißen, aber ich will auch nicht totalen Mist schreiben. (Ich bin ganz schrecklich im Überarbeiten, weshalb ich mein Schreibtempo gedrosselt habe, um von Anfang an besser durchdachte Szenen zu schreiben, sodass ich nicht bei der Überarbeitung sowieso alles noch einmal schreiben muss (alles schon dagewesen, siehe Fuchsnacht oder auch Die Schar).
Momentan bin ich also etwas ratlos, starre das Ganze nur an und versuche, herauszufinden, was eigentlich an der ganzen Sache nicht stimmt. Denn dass etwas nicht stimmt, ist doch klar, oder? Wenn alles in Ordnung wäre, würde ich mich doch nicht so fühlen? Eigentlich dachte ich, es hätte schon Klick gemacht, aber anscheinend war ich da etwas voreilig. Ich mag diese Unzufriedenheit nicht, ich mag es nicht, dass ich mir dabei wie ein Versager vorkomme. Momentan hilft es auch nur bedingt, zu lesen ... selbst über das Schreiben zu lesen. Ich meine, wie viele Artikel über das Schreiben kann man über Pinterest finden und lesen, ohne dass man sich verbessert? Oder merke ich es nur nicht?
Hmm ... von euch hat nicht zufällig jemand einen Tipp? Ehrlich gesagt bin ich bereit, alles zu versuchen, solange es irgendwie die Aussicht auf Besserung wieder vor meine Augen zerrt. (Und nein, keine Sorge, aufgeben ist nicht drin. Ich denke, ich muss nur eine weiche Stelle zum drauf Einhacken finden.

Kommentare:

  1. Hey :)

    Hmm, so einen richtigen Tipp habe ich da leider auch nicht, fürchte ich. Ich hasse Anfänge ja auch total v.v Mir hilft es, meine Planungen immer jemandem zu zeigen, bevor ich anfange zu schreiben, damit ich etwas mehr 'Sicherheit' habe, dass auch alles stimmig klingt, aber ich weiß nicht, ob du das nicht sowieso schon machst bzw. ob das was für dich ist?

    Hattest du eigentlich schon mal irgendwo geschrieben, worum es in Gelb grob geht? Das ging irgendwie an mir vorbei, aber ich bin neugierig :)

    Liebe Grüße,
    Sina

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    1. Hey Sina,
      ich glaube, das Problem mit den Anfängen ist weiter verbreitet als ich gedacht hätte. :D Ich habe, wie gesagt, noch nicht alles durchgeplant, bin eher so ein organischer Planer. Und ich habe auch ehrlich gesagt große Angst davor, dass jemand meine Planung liest und sie superdumm findet, aber zu höflich ist, mir das zu sagen. :S Aber vielleicht liegt auch dort das Problem: Eventuell wäre es besser, wenn ich erst mal die Planung beende und dann doch mal jemanden drüberschauen lasse. *grübel* Und vielleicht ergibt sich daraus auch ein ganz anderer Anfang ... Also, ja, ich denke, ich probiere das einfach mal so. :-)

      Ich hab es noch nirgendwo soo genau geschrieben. Im Grunde geht es in Gelb um ein jugendliches Mädchen mit Berührungsängsten, das Star-Pianistin werden möchte, aber bei jedem Auftritt beinahe vor Angst umkippt. :D Es ist auch wieder ein lesbischer Liebesroman, aber doch ein wenig der anderen Art, eben durch ihre sie beherrschenden Ängste. (Ich wollte schon immer darüber schreiben, vielleicht ist es aber auch gerade deshalb zu Beginn so schwer. *grübel*)

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