17.05.16

-573- Ist "Fangirl" eine Beleidigung?

(Bild via Pinterest)


"Fangirl", "Superfan", "Gigantische Nervensäge", "übertriebene emotionale Darstellung unnachvollziehbarer Gemütsregungen" ... hach, es gibt so viele Begriffe, die mir in der letzten Zeit immer wieder über den Weg laufen. Früher hätte ich mich davon beeinflussen lassen und vermutlich mein "Fangirling" sein lassen, nur um andere nicht zu nerven, aber mittlerweile bin ich über den Punkt hinaus, an dem ich bereit dazu bin, mich selbst stummzumachen. Ja, ich bin ein Fangirl. Und nein, es ist keine Beleidigung. Ein Fangirl ist im Grunde nur jemand, der sich von etwas so sehr mitreißen lässt, dass er ständig darüber reden möchte, dass er es mit anderen teilen möchte. Jemand, der eben nicht einfach nur sagt "ich liebe es", sondern auch zeigt. Und damit, vor allem in sozialen Netzwerken, gewissen Leuten anscheinend auf die Nerven geht. Dass ich mich als "Superfangirl" angegriffen fühlen muss, bloß weil ich etwas, das ich mag, verteidige oder rezensiere oder in den sozialen Netzwerken teile ... ist wohl die Schattenseite des Ganzen. Wenn man es denn so sehen will. Ich für meinen Teil habe lange, lange Zeit mein Fangirling auf das stille Kämmerlein beschränkt. Wenn mir etwas wirklich gefallen hat, habe ich es vielleicht irgendwo mal erwähnt, aber ich habe niemanden damit überflutet, genau aus der Angst heraus, dass mir vorgeworfen werden würde, ich würde "übertreiben" oder "nerven", schlicht und einfach deshalb, weil ich Enthusiasmus gezeigt habe. Und weil ich will, dass meine Autorenkollegen_innen erfolgreich sind, selbst wenn ich da nicht mithalten kann (das eine hat mit dem anderen, wie ich festgestellt habe, überhaupt nichts zu tun), dass meine Lieblingsseriensucht von Freunden akzeptiert wird, selbst wenn sie die Serie doof finden, dass mehr geliebt und enthusiastisch gehacht wird. Ich will nicht dieser zynische Hipster sein, der Dinge nur ironisch mag, obwohl ich Ironie und Sarkasmus ebenso gerne benutze wie alle anderen auch.
Versteht mich nicht falsch, ich mag auch einige Dinge nicht und früher habe ich mich auch leicht von anderen genervt gefühlt, wenn sie zu viel gefangirlt haben. Aber war das fair? Ist das fair? Und muss man immer jeglichen Enthusiasmus mit Füßen treten, nur weil man selbst nicht da rankommt, nur weil man es vielleicht nicht nachvollziehen kann oder weil man irgendwie herausstechen will, im Sinne von "Alle mögen Game Of Thrones, nur ich nicht, und deshalb werde ich anderen den Spaß an der Sache nehmen und es gucken und die ganze Zeit kritisieren"? Für den Witz der Sache ... klar, ich bin auch nicht humorlos. Aber es hat Grenzen. Mich als Superfan zu bezeichnen, ist keine Beleidigung. Es ist mir schlicht weg egal. Mein Enthusiasmus wird bleiben und ich habe keine Lust mehr, immer alles und jeden zu hassen, der etwas mag, das ich nicht mag, oder etwas nicht mag, was ich mag. Mir egal, denn mein Gefangirle gehört mir. (Und ja, wir sollten mehr gönnen, mehr lieben, unabdinglich unterstützen, denn letzten Endes verpesten wir uns nur selbst, wenn wir immer alles anfeinden.)

Kommentare:

  1. Ich sehe das so wie du, jedem das seine :) Bis ich persönlich einfach an Punkte komme, wo es für mich nicht mehr tragbar sein KANN. Ich bin ein Fangirl. Andere sind Fangirls. Wir alle sind irgendwie in der Lage, lauter oder leise, im Kopf oder in echt wegen irgendwas oder -wem zu hyperventilieren. Auch ok. SOLANGE damit niemand angegriffen wird. Das erste und einzige Mal, wo ich mich mit leichter Platzangst in die erste Reihe eines Konzerts gewagt habe (normalerweise stehe ich hinten seitlich am luftigeren Rand), bin ich fast erstickt. Wirklich. Weil die Kreisch- und Trampelkategorie an Fangirls mich umriss, auf mich trat, an mir zerrte (obwohl ich übrigens irgendwann geschrieen habe). Es war recht traumatisch. Und ja, es waren alles Mädels. Und nein, ich bin nicht wirklich klein :)
    An anderer Stelle habe ich eine Band betreut. Als der Gitarrist etwas unüberlegt mit Instrument signieren wollte, drückte er mir eben das Ding in die Hand zum Wegbringen. Was so lange gut ging, bis eben die Kreischis mich entdeckten und Backstage jagten. Auch etwas traumatisch (wenngleich weniger gefährlich). DA frage ich mich dann: Kreischen ok, aber andere körperlich bedrängen in seinem Fanatismus? Das finde ich, gelinde ausgedrückt, unsympathisch. Genauso wie über das Internet beleidigen (allerdings sehe ich das häufiger bei Fanboys).
    Ansonsten liebe ich das Fangirlen <3 Solange eben niemand verletzt wird, weder seelisch noch körperlich <3

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    1. Oha, das ist hart! Aber ja, ich stimme dir vollkommen zu. Solange niemand dabei verletzt wird, sei es seelisch oder körperlich, ist es wunderbar. Aber ich denke, das sollte eigentlich gegeben sein, dass man trotzdem respektvoll mit anderen und ihren Meinungen etc. umgeht. (Leider ist es das wohl in mancherlei Hinsicht nicht.)

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  2. Ich bin auch absolut bei dir.
    Fangirl zu sein, heißt, sich für Dinge begeistern zu können - und Begeisterungsfähigkeit gehört (meiner Meinung nach) zu den besten Eigenschaften, die Menschen haben können.
    Enthusiasmus macht das Leben erst so richtig bunt.

    Ich stehe zu meinem Fangirl-Dasein, zu meinem Seriensuchtverhalten, meinem Hang, mich in fiktionale Charaktere zu verlieben, etc ... wobei mir das Ganze in dem Moment endlos peinlich würde, wenn der Betroffene wüsste, wie ich »auf ihn abgehe.«
    Ich könnte zum Beispiel niemals kreischend, herumhüpfend nach Autogrammen oder Fotos mit jemandem betteln. Das erscheint mir super erniedrigend und wäre mir einfach endlos peinlich.
    Für andere mag das was komplett anderes sein. Und das ist ja völlig okay. Solange eben - wie ja schon erwähnt - dabei niemand zu Schaden kommt!

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