10.04.17

-576- Mit Helm

Ich hab da so ne Frau mit Helm gesehen. Die lief nicht mal komisch, also, weißt schon was ich mein. Die lief so wie du und ich. Na gut, vielleicht sah sie etwas wacklig aus. Und die Tasche, die sie getragen hat, hat voll in ihr Handgelenk geschnitten. Aber das is es nich, was komisch war oder so, sondern eben der Helm.
Ich glaub, ich hab sonst noch nie jemanden ohne Rad mit Helm rumlaufen sehen, aber die trug einen. Der war rot, aber so ein verblichenes Rot wie als hätte der schon oft die Sonne gesehen. Hab mich nur gefragt, was die macht, dass sie beim Spazieren gehen ‘nen Helm braucht. Und dann dacht’ ich … na ja, ich dach’t, ich bräucht eigentlich auch nen Helm. Aber für alles andere. So für die Seele. Fürs ganze Leben, mal abgesehen vom Körper. Für das, was da sonst noch is. Für das bräucht ich auch nen Helm.
Vielleicht tragen wir aber insgeheim alle schon Helme. Sind natürlich unsichtbar, kannst dir ja nich ausmalen, wie bescheuert man ohne Rad aber mit Helm aussieht. Als hätte man nen Aluhut auf, so glotzen einen die Leute an. So hab ich bestimmt auch geglotzt. Aber ja, ich bin mir sicher, insgeheim, da tragen wir alle Helme. Und die, die’s doch nicht tun, die fallen immer als Erste.

Kommentare:

  1. oh. Oh, wie schön. ♥

    Liebe Grüße
    Caro

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  2. Womöglich ist es aufgrund einer neurologischen Erkrankung gefährlich für die Frau, sich ohne Helm zu bewegen.
    Muss ziemlich verletzend sein, zu lesen, dass man deswegen "bescheuert aussieht". ._.

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    1. Hallo lieber anonymer Gast! Schön, dass du hergefunden hast. Es handelt sich bei dem obigen Text um eine Schreibübung für wörtliche Rede/Dialekt; der Inhalt spiegelt in keinster Weise mein eigenes Denken wieder, zumal der Grundton des Textes nichts mit den Gründen der Frau, den Helm zu tragen, zu tun hat, ebenso wenig wie der Fokus darauf liegt, dass es in den Augen des Protas "bescheuert aussieht". Tut mir leid, wenn das bei dir so herüberkam, das war eindeutig nicht die Intention. Vielmehr wollte ich aufzeigen, wie verständnislos wir in unserem eigenen, kleinen Denken sein können, urteilen aber selbst nicht verurteilt werden wollen, Schutz brauchen aber nicht zeigen wollen, wie sehr wir jenen brauchen. Ich wollte auch die Sehnsucht herüberbringen, vielleicht danach, dass es normal wäre, sich zu schützen, mit Helm oder mit Worten, aber keiner herausstechen oder als schwach angesehen werden möchte, nicht einmal wenn wir doch wissen, dass wir alle schwach sind.

      So viel dazu. :) Ich hoffe, du hast trotzdem einen schönen Tag und genießt die Osterzeit/freien Tage.

      Viele liebe Grüße,
      Juls

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